Deutsch: Interpretation
- Datum: 02.12.09
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Thematische Einordnung:
Begriffsbestimmung und mögliche Vorgehensweisen
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“Interpretation” bezeichnet für mein Verständnis keine einzelne Methode, sondern den Versuch, aus einem Stück Literatur das herauszuholen, was man versteht oder zu verstehen meint. Ein “interpres” (lat.) ist ein Dolmetscher, also jemand, der aus einer Sprache in eine andere übersetzt. Derjenige kann so “wörtlich” übersetzen, wie er will, er wird dennoch Anteile seiner eigenen Person mit einbringen, seine innere Haltung zum Gegenstand und natürlich seine eigene Kenntnis der Situation, die sein Übersetzen erfordert.
Meine Mutter sagte mir einmal, wenn ich versuchte, Literatur – aus meiner eigenen Sprache – zu “interpretieren”, unterstellte ich dem Autor, er hätte es nicht besser sagen können. Die Frage “Was wollte der Autor damit sagen?” sei also schlicht zu beantworten mit: “Was er gesagt hat.” Das mag überspitzt klingen, ich finde aber, es ist etwas daran. Wenn ich jemanden als “Dichter” oder “Schriftsteller” verehre, darf ich doch vermuten, er verstehe sein Handwerk. Was freilich sein kann, ist, dass mir Handwerkszeug fehlt, um mich in das von ihm Gesagte hineinzudenken.
Als Handwerkszeug kann dienen:
a) Wissen über die Zeitumstände, in denen der Text entstanden ist
b) Wissen über die Personen oder Personengruppe, an die sich der Text richtet
c) Wissen über die emotionale Wirkung bestimmter Klänge oder Klangfarben
d) Wissen über die Symbole und kulturüblichen Assoziationen – das macht die Interpretation eines fremdsprachlichen Textes so schwer
Nur hat ja vermutlich jemand diese Frage ins Wiki gestellt, der aus dem Schulumfeld kommt – und mein Gefühl ist, sowohl in der Schule wie auch (leider) an der Universität stehen wir unter einem Druck, ES RICHTIG ZU MACHEN – und was “richtig” ist, entscheidet der Lehrer oder der Prof. Interpretation als Aufsatz, der hinterher benotet wird, ist daher immer auch der persönlichen Meinung und Einschätzung, vielleicht sogar politischen Haltung des Korrektors anheimgegeben.
Will sagen: eine schlechte Note für eine Interpretationsaufgabe kann schlicht bedeuten: “Dein Lehrer ist anderer Meinung.” Das sage ich bewusst so, auch wenn ich weiß, dass viele Lehrer sich um Objektivität bemühen. Es gibt auch Lehrer, die bestimmte Fachbegriffe in einer Interpretation lesen wollen, die sie dir vorher “rein gepaukt” haben (vielleicht, ohne dass Du sie richtig verstanden hast).
Einer meiner Mitschüler holte sich damals – das war um das Jahr 1973 – eine schlechte Note ab, weil seine Deutschlehrerin Goethe-Fan war, er aber das Goethe-Gedicht bewusst nur auf seine Wort- und Satzstruktur untersucht hatte. Weiter wusste er mit dem Gedicht nämlich nichts anzufangen – er war auch ehrlich genug, das genau so hinzuschreiben.
Kurz und gut: Ich finde, jenseits aller Methodik muss ich mit dem Text innerlich “mitschwingen” können. Wenn ich den Text innerlich ablehne, muss ich das gut schriftlich begründen können – auch das ist dann eine Interpretation. Ansonsten ist es besser, ich wähle, wenn ich darf, ein anderes Aufsatzthema.
Wiki-Autor:
| Name: | Michael T. |
| Alter: | 54 |
| Fach: | Latein |
| Ort: | Stuttgart |
| Preis: | 14,20 € |
Meine Lehrer und mein Vater haben mich sehr gefördert.1983 kam ich ohne Beruf nach Stuttgart zurück und fing mit Nachhilfe an, einfach weil es das war, was ich am besten konnte.Gerne denke ich mir auch "alternative" Lernmethoden oder -konzepte aus.
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