Deutsch: Franz Kafka - Das Schloß (Interpretation)
- Datum: 17.04.10
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Thematische Einordnung:
Eine mögliche Herangehensweise an einen der wirklich langen Kafkatexte.
- Tags: Interpretation, Kafka, Schloss, Schloß
Index:
1. Inhalt
2. Interpretation
2.1. Einleitung
2.2. Wer ist Herr K.?
2.3. Was sind seine Ziele?
2.4. Eine Moral aus der Geschicht’
1. Inhalt:
Das Romanfragment „Das Schloß“, geschrieben von Franz Kafka und veröffentlicht,
sowie beendet von Max Brod erzählt den Leidensweg von Herrn K., der versucht
nach seiner Ankunft in einem Dorf mit schlosslicher Behörde seine Legitimation als
vom Schloss georderter Landvermesser zu bekommen.
Herr K. trifft abends in einem Dorf ein und schläft im Wirtshaus, da der Abend
bereits zu weit fortgeschritten ist. Um noch einen anderen Schlafplatz zu finden.
Nach kurzer Zeit wird er geweckt, wobei ihm ein Bote des Schlosses, der Behörde,
die über dem Dorf steht, dass es nicht zulässig sei ohne Erlaubnis des Schlosses im
Dorf zu verweilen, worauf K. antwortet, er sei der bestellte Landvermesser. Diese
Aussage wird vom Schloss erst dementiert, dann wird dies wieder zurückgenommen
und so kann K. bis zum Ende der Überprüfung seiner Landvermesserschaft im Dorf
bleiben. Ab da ist es sein oberstes Ziel seine Legitimation im Schloss zu bekommen,
jedoch scheint dieses unnahbar für ihn. Während seines Strebens ins Schloss zu
gelangen, arbeitet er im Dorf als Aushilfekraft und lernt die Leute dort kennen, die
eine große Furcht vor dem Schloss haben, die sich jedoch nicht auf eine tatsächlich
erfolgten Bestrafung zurückführen lässt. Das Schloss schickt K. unter anderem
Gehilfen, die seine sein sollen (K. hat sie am Anfang im Wirtshaus erwähnt), von
denen K. jedoch weiß, dass sie es nicht sind. Ferner scheinen sich die Beamten des
Schlosses die Frauen des Dorfes als Dirnen zu halten, so auch die Schankmaid
Frieda, die auch K. attraktiv genug empfindet, um mit ihr eine sexuelle Beziehung –
sogar mit anschließenden Heiratsplänen – einzugehen, die den Nebeneffekt hat mehr
über den mächtigen Beamten Klamm, Friedas früheren Geliebten, zu erfahren und so
dem Schloss näher zu kommen. Jedoch führt auch das nicht zum Ziel und so bleibt
K. nichts übrig außer zu warten, zumal er die einzige Gelegenheit die hohen
Beamten zu treffen, die ihm ein Beamter des Schlosses bietet, nicht wahrnehmen
kann, da er übermüdet einschläft. Je mehr der Roman fortschreitet desto chaotischer
wird er. Nach einer Woche stirbt K. schließlich an Erschöpfung. Am selben Tag
bekommt er auch seine Legitimation.
2. Interpretation
2.1. Einleitung
Sofern man es geschafft hat sich ersteimal überhaupt auf einen Roman Kafkas
einzulassen, so scheinen diese die interessante Eigenschaft inne zu haben, mit jeder
Seite mehr Fragen aufzuwerfen, als zu beantworten. Es wird vieles offen gelassen
und so kommt es eigentlich sehr auf den Leser an, wie er etwas interpretiert. Das
Schloss ist hierbei keine Ausnahme. Zudem wird dieser Roman noch immer
verworrener und chaotischer, was ich allerdings als literarisches Mittel werte, die
passende Atmosphäre zu schaffen.
Einfach gesehen ist K. einfach ein Landvermesser der bestellt wurde und nun an der
Unnahbarkeit der äußerst mächtig erscheinenden Behörde, dem Schloss, scheitert, da
er sein Leben darauf auszurichten beginnt, nach Legitimation zu suchen und daran
schließlich kaputt geht. An dieser Stelle ist eine weitere Schwierigkeit zu
verzeichnen: Kafka stellte den Roman nicht fertig bevor er starb und so existiert nur
ein Ende, dass von Max Brod aufgrund von Erzählungen Kafkas geschrieben und
hinzugefügt wurde. Dass der Protagonist allerdings am Ende scheitert scheint auch
ein Steckenpferd Kafkas gewesen zu sein. Nun gibt es aber beim genaueren
Hinsehen gewisse Ungereimtheiten, die wohl sicherlich nicht unabsichtlich, oder im
Schwall von Drogenexzessen in den Text gelangt sind – dazu sind es meiner
Meinung nach zu viele und zu feinfühlige. So lässt einen z.B. die Passage „Wenn
man, wie ich, so weit von Frau und Kind reist, dann will man auch etwas
heimbringen“, im Zusammenhang mit der Tatsache, dass er sich so schnell und
unkompliziert auf das Schankmädchen Frieda einlässt stutzig werden und an der
fernen Familie zweifeln. Zusammen mit weiteren Faktoren ergibt sich daraus schnell
die Frage: Ist K. der, der er zu sein vorgibt? Es scheint so zu sein, dass K. tatsächlich,
wie am Anfang bezichtigt, ein Hochstapler ist, der versucht Eintritt in eine
Gesellschaft zu bekommen, indem er versucht eine Legitimation als eine Person zu
bekommen, die er nicht ist. Nun ist auch das keine eindeutige Sicht der Dinge, da
einfach zu viele Umstände nicht klärbar sind, als dass man wirklich sagen kann, wie
es sich hier verhält. Da ich jedoch diese Richtung zu interpretieren für die richtige
und auch interessantere halte, werde ich mich hier nun ebendieser widmen.
2.2. Wer ist Herr K.?
Die These besteht nun also darin, wie in dem vorangegangen Text kurz
angesprochen, dass K. eigentlich gar kein Landvermesser ist, sondern versucht
Eingang in die Gesellschaft des Dorfes und des Schlosses zu erlangen. K. wird jedoch
in einem Triumph der Behörde von einem Täter zu einem Opfer gemacht. Es wird
die Übermächtigkeit des Schlosses demonstriert, das über allen Bewohnern des
Dorfes wie ein Damoklesschwert schwebt und K. für sein Eindringen in dieser
quälenden Form bestraft. Dass das Schloss ihn am Ende des Romans doch akzeptiert
wirkt angesichts des Erschöpfungstodes wie ein höhnischer Nachtritt. Ferner bildet
sich hier eine gewisse Parallele zum Romanfragment „Der Proceß“, welche darin
besteht, dass sich der Protagonist – welcher interessanterweise Joseph K. heißt –
ebenfalls an einer Behörde verzweifelt, bzw. sein Leben, gleich einer fixen Idee,
darauf ausrichtet die Behörde zu ergründen. Wie ist diese These zu begründen? Als
erstes müssen nun die Argumente für den Betrugsversuch K.’s offenbar werden.
Hier gibt es einige Hinweise, die einem beim ersten Lesen vielleicht noch verborgen
bleiben. Bereits erwähnt ist die Textstelle: „Wenn man, wie ich, so weit von Frau und
Kind reist, dann will man auch etwas heimbringen“. Nun stellt sich die Frage, wieso
er denn dann so leicht ein Verhältnis mit der Schankmaid Frieda eingeht und zu
allem Überfluss auch noch Heiratspläne schmiedet? Irgendjemand versucht K. an der
Nase herumzuführen. Entweder den Leser oder Frieda in der Hoffnung so an den
unnahbaren Beamten Klamm heranzukommen. Es ist durchaus beides möglich,
jedoch ist dies nicht der einzige Hinweis. K. behauptet bei seiner Ankunft, die
„Gehilfen mit den Apparaten kommen morgen im Wagen nach. Ich wollte mir den
Marsch durch den Schnee nicht entgehen lassen, bin aber leider einige Male vom
Weg abgeirrt und deshalb erst so spät angekommen“. Eine logische Begründung, es
gibt nur ein Problem: man hört nichts mehr von den Gehilfen. Sie kommen nie an.
Das Schloss schickt ihm zwar Gehilfen doch weiß K., dass dies nicht seine eigenen
sind und auch wenn das Schloss dies behauptet ist fraglich, ob die Beamten dort dies
nicht auch wissen und K. auf diese Weise nur versuchen eine Falle zu stellen. Und
nun macht einen auch noch die Formulierung: „Das Schloß hatte ihn also zum
Landvermesser ernannt. Das war einerseits ungünstig für ihn, denn es zeigte, daß
man im Schloß alles Nötige über ihn wußte, die Kräfteverhältnisse abgewogen hatte
und den Kampf lächelnd aufnahm. Es war aber andererseits auch günstig, denn es
bewies, seiner Meinung nach, daß man ihn unterschätzte und daß er mehr Freiheit
haben würde, als er hätte von vornherein hoffen dürfen. Und wenn man glaubte,
durch diese geistig gewiß überlegene Anerkennung seiner Landvermesserschaft ihn
dauernd in Schrecken halten zu können, so täuschte man sich; es überschauerte ihn
leicht, das war aber alles“, stutzig. Es klingt als würde K. ein Spiel mit dem Schloss
spielen, bei dem es darum geht Einlass zu erhalten, wo er eigentlich keinen Einlass
hat.
2.3. Was sind seine Ziele?
Im Gesamtzusammenhang gesehen ergibt sich dadurch die Tendenz zu einem Herrn
K., der eben kein Landvermesser ist. Wenn er aber keiner ist, wieso behauptet er es
dann? Das letzte aufgeführte Zitat gibt einem eine Vorstellung davon. Er hat das
Schloss herausgefordert und versucht in einer Gesellschaft aufgenommen zu werden
und das Schloss scheint diese Herausforderung anzunehmen. Die gesamten Bündel
an Seiten danach beschreiben hiermit K.’s „Leidensweg“. So ist er Anfangs noch
guten Mutes und glaubt eher das Schloss wisse nicht worauf es sich mit ihm
eingelassen hat. Dieses Bild wandelt sich im Laufe des Romans jedoch drastisch. Er
stößt auf eine massige Ablehnung, mindestens jedoch Misstrauen seitens der
Dorfbewohner. Als Beispiel hierfür kann man z.B. einen der Männer im Wirtshaus
anführen, der K. schon im ersten Kapitel sehr deutlich zu verstehen gibt, was man
von Fremden im Dorf halte: „>Ihr wundert Euch wahrscheinlich über die geringe
Gastfreundlichkeit,< sagte der Mann, >aber Gastfreundlichkeit ist bei uns nicht Sitte,
wir brauchen keine Gäste.<“.
Die Dorfbewohner suggerieren ihm zusätzlich, dass Schloss sei unerreichbar für ihn,
schließlich seien auch die Beamten immer unabkömmlich. Doch diese Behauptung
der Bewohner ist keineswegs ungerechtfertigt. Das Schloss scheint für K. nie näher
zu kommen. Damit gleicht das Schloss dem Gericht in „Der Proceß“: Es ist die
unnahbare übergeordnete Instanz des Romans und sie ist strikt hierachisch
aufgebaut. Auch ist das obere Ende dieser Behörde nicht abzusehen. Als Spitze steht
zwar der Graf Westwest, jedoch ist schon der hohe Beamte Klamm eine Art
Nebelfigur. K. hat es also mit einer nicht greifbaren, dadurch aber nicht weniger
mächtigen Institution zu tun. Doch auch diese Macht ist nicht greifbar; weder als
Exekutive noch sonst irgendwie. Die Macht scheint nur in der Angst der
Dorfbewohner vor einer imaginären Bestrafung zu liegen. Dies alles führt zur großen
Resignation K.’s. Er gleicht sich auf gewisse Weise der Dorfgesellschaft an, da er sich
der allgemeinen Paranoidität und Angst, sowie der damit verbundenen Stimmung
anpasst. Trotz dieser größeren Ähnlichkeit lässt er sich nicht auf ein Leben im Dorf
ein, sondern kämpft mit aller Macht gegen die Behörde an.
2.4. Eine Moral aus der Geschicht’
Das von Max Brod auf Erzählungen Kafkas hin verfasste Ende sieht vor, dass K.
stirbt und am selben Tage noch seine Legitimation bekommt. So scheitert K. am
Schluss an seinem Vorhaben, welches sich, ähnlich dem Roman „Der Proceß“,
ausschließlich auf eine Sache ausrichtet, nämlich hier das Gesetz zu umgehen, um
sein Ziel zu erreichen. Hierzu im Gegensatz steht der Proceß, in dem Joseph K.
versucht über das Gesetz sein Ziel zu erreichen, woran er ebenfalls scheitert. Dass
sich beide auf eine art fixe Idee hin versteifen ist wieder beiden Romanen eigen. Sie
wollen unbedingt ihr Ziel erreichen. Auch wenn Joseph K. einfach leben könnte wie
bisher und Herr K. es schaffen könnte sich auch so zu integrieren. Wenn man also
eine moralisch, lebenstechnisch wertvolle Quintessenz aus diesen Romanen ziehen
will, dann könnte man sagen: „Versuche nicht dein Leben mit einem aussichtslosen
Kampf zu vergeuden, wenn du ihn als solchen erkannt hast. Es gibt auch andere
Wege. Lebe also nicht im Extremen“. Auch ist die Abhängigkeit vom Schloss von
ihm selber aktiv geschaffen worden, er hat sich also seinen Untergang selber
ausgesucht. Wie bei der Parabel mit der Maus* kann man sich fragen: Wieso bleibt K.
nicht stehen bzw. „ändert die Laufrichtung“? Sieht er nicht, wie die Wände näher
kommen?
-
„Du mußt nur die Laufrichtung ändern, sagte die Katze zur Maus und fraß sie.”
Literaturtipps & verwendete Quellen:
Quellen:
Reclamausgabe “Das Schloß”
Tips:
Eine genauere Inhaltsangabe ist ebenfalls als Artikel von mir vorhanden. ;-)
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- Schloß:
Wiki-Autor:
| Name: | Luzian G. |
| Alter: | 19 |
| Fach: | Biologie, Deutsch, Geschichte |
| Ort: | Hessen |
| Preis: | 14,20 € |
Es gibt mir ein gutes Gefühl anderen Leuten beim Lernen zu helfen. Wenn die Klausuren dann besser werden, so ist das genauso ein Erfolgserlebnis für mich.
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