Geschichte: Die Geschichte Muhammeds und ihre unmittelbaren Nachwirkungen (erste Eroberungswelle)
- Datum: 30.03.09
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Thematische Einordnung:
Geschichte Islam, Muhammed b. Abdallah (Der Artikel kann als Ergänzung zu dem von Oliver A. vom 24.03.09 über die Geschichte des muslimischen Glaubens gesehen werden)
- Tags: Islam, Religionsgeschichte
Im 7. Jahrhundert begann sich aus den verschiedenen sozialen Gruppen, d.h. im Speziellen aus Nomaden und Sesshaften, vor allem Bauern und Kaufleute, in Arabien eine politische Gemeinschaft des Islam zu bilden. Ausgangspunkt dafür war die religiöse Verbundenheit:
Muhammed b. Abdallah wurde ca. 570 in Mekka geboren. Als Angehöriger der Banu Hashim gehörte er zu einer der weniger bedeutenden Sippen des Stammes Quraish. Er erfuhr als vierzigjähriger seine Berufung durch Allah; durch den Erzengel Gabriel wurde er mit der Verkündung des Islam betraut. Danach hatte er wohl sein ganzes Leben hindurch Visionen und Offenbarungen. Der Prophet gewann anfangs nur wenige Freunde und Verwandte für sich, von den Mekkanern wurde er klar zurückgewiesen. Die Konflikte mit diesen nahmen mehr und mehr zu, so dass er sich 622 schließlich zur Auswanderung nach Medina entschloss. Dort setzte er sich schnell durch, indem er als politischer Anführer die Stämme vereinigte, die gegeneinander kämpften. Er gründete die umma, die Gemeinde bzw. Gemeinschaft. Diese wurde durch den Glauben an Allah zusammengehalten und war offen für alle, die ihm und seinem Propheten gehorchen wollten.
Als er 630 Rückkehr nach Mekka zurückkehrte, gewann er gestärkt auch dort die Führungsschichten für sich. Die so entstandene Form der Anhängerschaft war unbedingt notwendig, um letztlich die Verbreitung der umma über die Grenzen der arabischen Halbinsel hinaus realisieren zu können. Auch die Anführer der nomadischen Stämme baten darum, in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Muhammed hatte es auf diese Weise geschafft, in der religiösen umma die Beduinenstämme, Nomaden und Städter, die zuvor gegeneinander gekämpft hatten, unter sich zu vereinigen. Dies zeigte sich nicht nur in der Annahme des Islam, sondern wirkte sich durch die nun mögliche Zusammenarbeit auch positiv auf den Handel und die Wirtschaft allgemein aus.
Im Juni 632 starb Muhammed nach kurzem Fieber, nach der Vollendung seiner geistlichen und prophetischen Sendung. Das Prophetenamt war damit abgeschlossen, denn laut Offenbarungen sei Muhammed der letzte Prophet gewesen. Muhammed hatte nichts über einen möglichen Nachfolger oder ein notwendiges weiteres Vorgehen hinterlassen. Die Möglichkeit der Erbfolge schied von Vornherein aus, da von seinen Kindern nur die Töchter überlebt hatten. Es lag nun daran einen Nachfolger zu finden, einen Kalifen, einen Mann, zu dem Gott nicht mehr sprechen würde. Einige seiner engsten Anhänger kamen zu dem Entschluss nach dem genealogischen Prinzip einen Kalifen zu wählen, d.h. aus dem Stamm des Propheten Quraish. So wurde im Juni 632 Abu Bakr b. Abi Quhafa, der einer der ersten und treuesten Anhänger Muhammeds sowie dessen Schwiegervater war, zum Kalifen ernannt.
Dies sollte allerdings nicht die einzige Schwierigkeit bleiben, die nach dem Tod des Propheten aufkam. Dieser hatte es unter der eigenen Führung letztlich geschafft, die Kämpfe unter den Beduinenstämmen sowie zwischen den Nomaden und Städtern zu beenden und alle unter sich zur umma zu vereinigen. Nun jedoch waren einige dieser Stämme nicht mehr bereit, die vorgeschriebenen Abgaben zu leisten, da sie nur dem Propheten gehuldigt hatten. Zudem waren sie mit dem Steuersystem nicht zufrieden. Dem ersten Kalifen gelang es, einen Aufstand (ridda) blutig niederzuschlagen, „(…) aber er lernte auch, daß es nur ein Mittel geben konnte, um den Riß auf Dauer zu heilen: die Expansion nach außen.“ Über diesen Ritus des Djihad, d.h. der heiligen Bestimmungen, in engerer Deutung auch des heiligen Krieges, gelang es, die Stämme durch den gemeinsamen Glauben und den bedingungslosen Einsatz für diesen zu verbinden. Die Angriffe der Muslime zielten damit auch über die Grenzen des bisherigen muslimischen Gebietes im größeren Umkreis von Mekka und Medina hinaus. Am Ende der Herrschaft Abu Bakrs stand die gesamte arabische Halbinsel unter muslimischer Oberhoheit. Die muslimischen Krieger zogen bis nach Palästina und in den südlichen Irak.
Es hatte sich hier nun erstmals eine Schwäche der islamischen Gemeinschaft gezeigt: Solange sie ein gemeinsames Ziel und gemeinsame Interessen vor Augen hatten, die allen gleichermaßen Nutzen brachten, zogen sie vereinigt voran. Sobald jedoch eine Gruppe nicht mehr zufrieden war (wie in diesem Fall mit den Abgaben), brachen alte sowie neue Zwistigkeiten und Stammesfehden wieder auf und führten kurzerhand zur Destabilisierung der entstandenen Ordnung. Um dies zu unterdrücken, wurde meist ein Herrscher notwendig, wie es in diesem Fall auf Abu Bakr zutraf.
Während der Niederschlagung der Aufstände unter dem ersten Kalifen waren einige Muslime auf byzantinisches und sassanidisches Territorium vorgestoßen, so dass dies als Ausgangspunkt für die erste Eroberungswelle angesehen werden kann. Neben der Motivation aus religiösem Hintergrund ist aber auch die materielle Ambition nicht zu übergehen. Anders als früher (nach Tradition der Beduinenkrieger wurde erobertes Land geplündert, geteilt und von ihnen als Großgrundbesitzer in Besitz genommen) blieb unter den Kalifen das Land ungeteilt und wurde als gemeinschaftliches Eigentum aller Muslime verwaltet. Der Gewinn wurde in jährlichen Pensionen an die Krieger ausgezahlt, die somit keine räuberischen Krieger mehr waren wie zuvor in den Stammeskämpfen. Die Ausbreitung des Islam führte nicht zwangsläufig zur Islamisierung der eroberten Bevölkerung. Vielmehr wurden die nichtarabischen Untertanen zu Schutzbefohlenen der Muslime und mussten eine Kopfsteuer zahlen. Die Konsequenz aus den fortschreitenden Eroberungen war demnach, dass mehr und mehr unterschiedliche ethnische Gruppen sich unter der Herrschaft des Islam befanden, die sich früher oder später für ihre Rechte einsetzen würden. Erstmalig eindeutig nachweisbar war dies schon bei den Beduinenstämmen und dieses Problem in der islamischen Herrschaft wird sich auch bis nach al-Andalus (Spanien) fortsetzen.
Die ersten beiden Jahrzehnte der islamischen Eroberungen verliefen rasch und weitestgehend erfolgreich. Unter dem zweiten Kalifen Umar (634-644) wurden drei entscheidende Vorstöße der Eroberungswelle vollführt: Zuerst erfolgte die Eroberung von Damaskus, dann Persiens und Ägyptens. Sein Nachfolger Uthman (644-656), der erste Umajjade als Kalif, drang weiter nördlich im Irak vor. Am Ende seiner Herrschaft jedoch kam es zu entscheidenden innerislamischen Konflikten: Der Kalif begünstigte im Laufe seiner Herrschaftszeit seine mekkanische Familie, die Dynastie der Umajjaden, die zu den wichtigsten Gegnern des Propheten gehörten. Daraufhin wurde er 656 schließlich in Medina, über den Koran gebeugt, erdolcht. In der Stadt wurde Ali, der Schwiegersohn des Propheten, in der Moschee von Medina zum neuen Kalifen ernannt. Damit ist der Anfang eines bis in unsere Zeit hinein entscheidenden innerislamischen Konflikts gesetzt: Die Anhänger des ermordeten Kalifen und Angehörige der Umajjaden ergriffen die Flucht nach Syrien. Der dortige Statthalter Muawija erklärte die Wahl Alis für ungültig. Nach Kämpfen zwischen Muawija und Ali ließ 660 jener sich in Jerusalem als neuer Kalif huldigen. Ali wurde Ende Januar 661 ermordet. Damit hatte Muawija die Erbmonarchie der Dynastie der Umajjaden begründet, die für die nächsten Jahrzehnte das bestimmende Herrscherhaus sein sollte. Für die Welt des Islam bedeutete dies die Teilung in diejenigen, die nur Ali und seine Nachkommen als die rechtmäßigen Nachfolger des Propheten anerkennen wollten, und diejenigen, die weiterhin die Wahl eines Nachfolgers aus der Familie Muhammeds forderten – in Schiiten und Sunniten. Hierin ist ein erster entscheidender Grund dafür zu sehen, dass eine Herrschaft des Islam über die Welt – oder zumindest größere Teile dieser – nicht realisierbar sein würde. Die Herrschaft des Islam in eroberten Gebieten stellte sich wiederholt als schwierig heraus, da sich zumeist Konflikte zwischen den islamischen Gruppierungen selbst entwickelten. Dies wird sich auch in Spanien zeigen, beispielsweise anhand der Auseinandersetzungen zwischen den sogenannten Einheimischen und Syrern (vgl. 4.1). Zumindest aber die Kraft zur Expansion war erst einmal vorhanden und wurde auch weiterhin genutzt.
Nachdem sich die Eroberungen bis zum Tode Muhammeds demnach auf die arabische Halbinsel beschränkt hatten, erreichte das arabische Reich unter den ersten vier Kalifen eine Ausdehnung im Osten bis ins nordiranische Chorasan, durch den Iran bis zum Fluss Oxus, und im Westen bis nach Nordafrika einschließlich Zypern und Rhodos bis nach Tripolis ins heutige Tunesien. Mit Nordafrika öffnete sich den Muslimen der Weg zum westlichen Mittelmeer. Bereits 643/44 war die byzantinische Flotte gezwungen den Hafen von Tripolis aufzugeben und hatte damit den Weg ins südliche Tunesien geebnet. In anderer Richtung blieb die siebenjährige Seeblockade Konstantinopels, die 660 begann, erfolglos.
Die Kämpfe in Nordafrika erreichten im Zuge der zweiten Eroberungswelle ihren Höhepunkt mit der Kapitulation Karthagos 698; das muslimische Ifriqiya mit der zentralen Lagerstadt Kairouan entstand. Die Muslime erbauten in Nordafrika eine neue Hauptstadt, Tunis, in der sie einen neuen Hafen errichteten, um dort eine geeignete Kriegsflotte für den weiteren Vorstoß gen Westen und Mittelmeer zu stationieren.
(Ausschnitt aus einer Arbeit, die ich zum Islam auf der Iberischen Halbinsel verfasst habe)
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