Latein: Vergleichende Grammatik des Deutschen und Lateinischen - Teil I. Formenlehre der Verba
- Datum: 11.12.09
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Thematische Einordnung:
Eine Einführung, die das Grammatiklernen erleichtern soll
- Tags: Grammatik, Vergleichende_Grammatik
Formenlehre der Verba (Konjugation)
Das Wort “Konjugation” heißt eigentlich “Verbindung”. Ich vermute, damit ist gemeint, dass die Idee eines Tuns mit der Idee einer Person verbunden wird.
Beispiel: “sehen” + “ich” -——> “ich sehe”
WAS IST GLEICH?
Im Deutschen wie im Lateinischen sprechen wir von Personen:
a) der ersten bis dritten Person EINzahl: 1. ich – 2 du – 3. er/sie/es
b) der ersten bis dritten MEHRzahl: 1. wir – 2. ihr – 3. sie
Man nennt Einzahl auch “Singular” und Mehrzahl “Plural”.
Bei der Bildung der Vergangenheitsformen kann es passieren, dass das Verb seinen Stamm verändert; meistens bleiben die Konsonanten erhalten oder verändern sich zu Lauten innerhalb ihrer “Familie”, der Vokal kann sich stark verändern.
Man unterscheidet die Konsonanten"familien":
- Lippenlaute (Labiale): b, p
- Zahnlaute (Dentale): d, t, z
- Rachenlaute (Gutturale): g, k, ch
- Reibelaute (Frikative): w, v, f
- Zischlaute: s (stimmhaft), s (stimmlos), sch
Beispiele: ich sehe – ich sah; ich trage – ich trug; ich sitze – ich saß; ich bringe – ich brachte
Völlig unregelmäßig ist z.B. ich bin – du bist – ich war
Auch das Lateinische kennt regelmäßige und unregelmäßige Verben.
WAS IST ANDERS?
a) Das Deutsche unterscheidet einfache und zusammengesetzte Verbformen. Einfache Verbformen bestehen nur aus der Person und dem bedeutungstragenden “Vollverb”. Die Person muss im Deutschen immer genannt werden, und zwar in Form eines “Personalpronomens”.
Präsens Aktiv: ich sehe; Präteritum Aktiv: ich sah
(Manche sagen für “Präteritum” auch “IMperfekt”. Ich denke, “Präteritum” ist korrekter; auf die Gründe gehe ich hier der Kürze halber nicht ein.)
b) Zusammengesetzte Verbformen – sie sind im Deutschen bei weitem in der Überzahl – bestehen aus der Person, einem konjugierten Hilfsverb wie “haben”, “werden” oder “sein” und einer Form des Vollverbs, die aber selbst nicht konjugiert wird.
Beispiele:
- ich werde sehen (Futur Aktiv) → “sehen” ist hier Infinitiv (Grundform)
- ich werde gesehen (Präsens Passiv) → “gesehen” ist hier Partizip (Mittelwort)
DIESE ZWEI BITTE GUT UNTERSCHEIDEN!
- du wurdest gesehen (Präteritum Passiv) → jetzt wird nur das Hilfsverb konjugiert
er/ sie/ es wurde… - du hast gesehen (Perfekt Aktiv) → “haben” wird konjugiert; “gesehen” ist Mittelwort und bleibt unverändert
- du bist gesehen worden (Perfekt Passiv) → “werden” ist ins Perfekt gesetzt worden und bildet (ge)worden; jetzt wird “sein” konjugiert; “gesehen worden” bleibt aber unverändert
Im Deutschen gibt es Verben, die ihr Perfekt mit “haben” bilden, und andere, die es mit “sein” bilden. Das gibt es im Lateinischen nicht.
Das Lateinische kennt auch einfache und zusammengesetzte Verbformen. Aber die einfachen Verbformen bilden die weitaus größere Gruppe.
Eine konjugierte Verbform wird gebildet, indem ich an den Verb"stamm" eine Endung anhänge, z.B.
“vide-o” ich sehe
Die Person (z.B. “ich”) wird in aller Regel nicht genannt. Sie wird durch die Endung (hier “o”) deutlich – deswegen sprechen wir von Personalendung. Wenn die Person genannt wird, soll sie betont werden. “ego video” heißt etwa “ich jedenfalls sehe…”.
Es gibt im Lateinischen insgesamt zehn verschiedene Personalendungen fürs Aktiv und sechs Personalendungen fürs Passiv. Die hohe Zahl der Personalendungen im Aktiv entsteht dadurch, dass in den Vergangenheitszeiten besondere Endungen vorkommen (was das Formenerkennen erheblich erleichtern kann!)
Man unterscheidet die Verben nach “Klassen”; wenn man den letzten Laut des Stammes betrachtet, ist es immer ein a, ein e, ein i oder ein Konsonant (b, c, d, f, und so weiter). Deswegen spricht man von der a-, e- i- und konsonantischen Konjugation.
Um die vielen “einfachen” Verbformen zu unterscheiden, wird entweder zwischen Stammauslaut und Endung ein oder mehrere Buchstaben geschoben z.B. “vide- b -o” oder der Stammauslaut verändert.
So wird aus “amat” “amet”: er liebt – er möge lieben.
Passiv-Formen sind meistens länger als Aktiv-Formen.
Auch im Lateinischen gibt es Stammveränderungen, wenn die Verben andere Zeiten bilden; die sind aber oft tiefgreifender und müssen gründlich gelernt werden. Manchmal ist es schwer, darin eine Regelmäßigkeit zu erkennen.
Auch hier lohnt es sich aber, auf das Gefüge von Konsonanten und Vokalen zu achten; Vokale können sich viel stärker verändern, während das “Gerüst” aus Konsonanten erhalten bleibt.
z.B. cadere (fallen): cado Präsens: ich falle —→ (ce) C-I-D -i Perfekt: ich bin gefallen
Ich würde das aber nicht von vornherein als “unregelmäßig” bezeichnen. Es gibt fünf verschiedene Arten der Perfektstammbildung, und das steht beispielhaft für eine davon.
Wirklich unregelmäßig ist z.B. “sum – ich bin” “fu-i – ich bin gewesen”. Das heißt, es tritt ein völlig anderer Stamm ein (vgl. oben Deutsch!).
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Wiki-Autor:
| Name: | Michael T. |
| Alter: | 54 |
| Fach: | Latein |
| Ort: | Stuttgart |
| Preis: | 14,20 € |
Meine Lehrer und mein Vater haben mich sehr gefördert.1983 kam ich ohne Beruf nach Stuttgart zurück und fing mit Nachhilfe an, einfach weil es das war, was ich am besten konnte.Gerne denke ich mir auch "alternative" Lernmethoden oder -konzepte aus.
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