Stress bei Kindern

Werfen Sie doch mal einen Blick zurück in Ihre Kindheit. War es nicht herrlich: Die freie und unverplante Zeit? Spielen nach Herzenslust, spontaner Besuch bei Freunden nebenan und Hütten bauen, wenn man Lust darauf hatte? Für viele Kinder sieht die Realität heute anders aus. Zum Spielen und für Spontanität bleibt oft wenig Zeit, weil der Terminkalender voll ist.

40 Wochenstunden für Kinder: Ein Vollzeitjob!

Dabei nimmt die Schule im Leben von Kindern einen großen Raum ein. Das unterstreicht die Auswertung von 2000 Wochenplänen von Kindern, die Unicef und das Deutsche Kinderhilfswerk durchgeführt haben. Ergebnis: Durchschnittlich 37 bis 40 Wochenstunden gehen für Schule, Hausaufgaben und Lernen drauf. Ein Vollzeitjob also! Für die Älteren sogar mit Überstunden: So steigt die Wochenarbeitszeit für die Schule bei den über 13 jährigen auf 44 Stunden an.

Wenn Förderung zu Überforderung wird

Da bleibt nicht mehr viel Zeit für Freunde und Spielen. Hinzu kommen außerschulische Förderangebote und Hobbies: Montag Gitarrenunterricht, Dienstag Reitstunde, Mittwoch Nachhilfestunde, Donnerstag der Schwimmverein und Freitag die Pfadfinder. Der Wochenplan vieler Schüler liest sich wie der Terminkalender eines Erwachsenen. Natürlich möchten Eltern ihrem Kind optimale Entwicklungschancen bieten und unterschiedliche Begabungen fördern. Viele Kinder wiederum begeistern sich für alles Mögliche und möchten am liebsten überall mitmachen. Doch das sollte nicht zu Stress führen. Werden Kinder zunehmend nervös und leidet die Konzentration, dann kann die Entschlackung des Terminkalenders helfen. Experten empfehlen beispielsweise für Grundschüler maximal 2 Nachmittage in der Woche mit festen Terminen zu verplanen.

Kinder brauchen freie Zeiten

Kinder brauchen Zeiten, in denen sie nicht verplant sind. Zeiten, die keinem Aktivitätsdiktat von Schule oder Hobby unterliegt. Zeit, die vom Kind selbst gestaltet werden kann. Ob draußen beim Toben, dem selbstvergessenen Tüfteln im Kinderzimmer, dem gemeinsamen \ Spiel mit den Nachbarskindern oder dem Träumen mit offenen Augen: Kinder brauchen Rückzugsräume und selbstbestimmte Zeiten. Jedes Kind ist in der Lage sich selbst zu beschäftigen - auch ohne Vorschlag von Mutter oder Erzieherin. Es muss nur die Gelegenheit dazu haben. Selbstgestaltetes Spielen fordert alle Sinne, fördert die Kreativität und trainiert die unterschiedlichsten Fähigkeiten. Im Zusammenspiel mit anderen Kindern wiederum erleben sich Kinder als Teil der Gruppe und trainieren dabei ihr Sozialverhalten. Auch die scheinbar sinn- und ziellosen Träumereien, Trödeln im Kinderzimmer und andere, nicht zielgerichteten Aktivitäten sind wichtig: So können sich Kinder von den Anforderungen der Schule und des Tages erholen und ihre Batterien aufladen. Sie verarbeiten ihre Erfahrungen und kommen auf ihre Weise zur Ruhe. So steht in der Befragung von unicef „Chillen (Faulenzen, vor sich Hinträumen, Musik hören, Lesen, Basteln oder Malen)“ mit 15 Wochenstunden an dritter Stelle im Wochenplan der Kinder.

Selbstredend: Die Lebenswelt unserer Kinder heute ist nicht mehr die Welt, in der ihre Eltern Kind waren. Aber wäre es nicht schön, wenn sich unsere Kinder im Rückblick ebenso gerne an das Frei-Sein und die Spontanität ihrer eigenen Kindheit erinnern könnten?

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