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Pubertät – So verhalten Sie sich als Elternteil

Sie ist unvermeidbar, wird oft auch als zweite Geburt oder als die schweren Jahre bezeichnet und stellt nicht nur die Kinder vor diverse Herausforderungen und Probleme, sondern auch die Eltern: die Pubertät. In der Übergangsphase vom Kind- zum Erwachsensein vollziehen sich nicht nur physische Veränderungen im Körper, sondern vor allem auch psychische und kognitive.

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Was geschieht während der Pubertät?

Sie ist unvermeidbar, wird oft auch als zweite Geburt oder als die schweren Jahre bezeichnet und stellt nicht nur die Kinder vor diverse Herausforderungen und Probleme, sondern auch die Eltern: die Pubertät. In der Übergangsphase vom Kind- zum Erwachsensein vollziehen sich nicht nur physische Veränderungen im Körper, sondern vor allem auch psychische und kognitive.

Kommt das Kind in die Pubertät, erkennen die Eltern es oft sprichwörtlich nicht wieder. Kein Wunder, denn dieser heikle Zeitpunkt markiert die beginnende emotionale Ablösung der zu pubertierenden Teenager herangewachsenen Kinder von den eigenen Eltern. Aber nicht nur das. Während der Pubertät gleicht der Körper einer Großbaustelle, alles befindet sich im Umbau und kein Stein bleibt auf dem anderen. Eingeleitet wird dieser Prozess von spezifischen Neuronen im Hypothalamus, dem Teil des Gehirns, der unter anderem auch Appetit und Körpergewicht regelt. Die Neuronen regen mit Beginn der Pubertät die Produktion bestimmter Hormone an, die schließlich für die Entwicklung vom Kind hin zum fortpflanzungsfähigen Erwachsenen und alle damit verbundenen Begleiterscheinungen verantwortlich sind: Stimmbruch, Bartwuchs, Brustwachstum, Einsetzen der Menstruationsblutung, zunehmende Körperbehaarung, Wachstumsschübe usw.

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Hormonelles Wechselbad der Gefühle

Wie sehr Hormone den Allgemeinzustand und die psychische Stabilität beeinflussen können, bekommen Jugendliche in der Pubertät – und infolgedessen auch deren Eltern –deutlich zu spüren. Denn Hormone steuern nicht nur die körperliche Geschlechtsreife, sondern unter anderem auch wichtige Faktoren wie Selbstwahrnehmung, Selbstbewusstsein, soziale Bindungsfähigkeit oder die Verortung der eigenen Person im Vergleich zu anderen. Die Schieflage des hormonellen Gleichgewichts während der Pubertät ist zwar normal, kann aber in einigen Fällen auch negative Folgen haben und schlimmstenfalls zu Problemen wie Essstörungen oder Depressionen führen. In solchen Situationen ist es an den Eltern, den Prozess vom sorglosen Kind zum verantwortungsvollen Erwachsenen mit all seinen Zwischenstationen zu beobachten und aufkeimende Verhaltensstörungen nicht als pubertäres Benehmen abzutun.

Ausnahmezustand im pubertären Gehirn

Auch im Gehirn selbst verändert sich vieles, es reift während der Pubertät und wird grundlegend umstrukturiert. Kindliche Denkprozesse und Verhaltensformen werden abgelegt, neuronale Verknüpfungen, die sich im Kindesalter gebildet haben, werden in dieser Phase großenteils wieder aufgelöst und dafür neue gebildet. Die Geschwindigkeit von Denkprozessen steigert sich um ein Vielfaches, sodass Teenager schließlich ebenso schnell denken können wie Erwachsene. Aber bis diese Prozesse abgeschlossen sind, herrscht häufig Chaos. Nicht alle Gehirnregionen entwickeln sich im selben Tempo, als eine der letzten reift Medizinern zufolge beispielsweise der präfrontale Cortex. Dieser Bereich der Großhirnrinde steuert unter anderem die emotionale Bewertung von Eindrücken und Erlebnissen und ist maßgeblich daran beteiligt, dass uns die Konsequenzen von Handlungen bewusst werden und eine entsprechende Impulskontrolle möglich ist.

Berücksichtigt man, dass Jugendlichen in der Pubertät diese Fähigkeiten noch nicht in vollem Umfang zur Verfügung stehen, erschließt sich, warum ihre Reaktionen auf bestimmte Reize oft noch nicht denen eines Erwachsenen entsprechen. Überreaktionen, Aggression, Wut, Angst, aber auch gesteigerte Risikobereitschaft und die Suche nach dem Kick können die Folgen sein, was nicht selten in vermehrten Konflikten mit Erwachsenen – allen voran den eigenen Eltern – oder auch einer gesteigerten Affinität zu Alkohol, Drogen und riskanten Aktionen resultiert.

Teenager-Erziehung: Distanz wahren und Vertrauen schaffen

Pubertät Vertrauen

Wie sich Eltern in dieser schwierigen Zeit ihren pubertierenden Kindern gegenüber verhalten, ist ganz entscheidend für deren Entwicklung. Vielen Jugendlichen bereiten die schwerwiegenden Umwälzungen im eigenen Körper und Denken wesentlich größere Probleme, als sie den Eltern gegenüber zugeben wollen. Deren Emanzipationsprozess wird von den Eltern allerdings oft als direkter Angriff oder Ablehnung interpretiert, was die Beziehung zusätzlich belastet. Mit dem Beginn der Pubertät ist die klassische Erziehung meist beendet, da sich Jugendliche solchen Maßnahmen oft entziehen. Ab jetzt heißt es für Eltern eher beobachten, begleiten, beistehen, unterstützen und positiv bestärken.

Die richtige Mischung aus Vertrauen und Distanz hilft Eltern meist dabei, die Situation zu Hause nicht zu eskalieren und den Jugendlichen dasGefühl zu vermitteln, dass sie trotz eventueller Probleme Dinge richtig machen und auf die Unterstützung durch das Elternhaus zählen können. Ständige Überwachung und Kontrolle aus Angst vor Fehltritten des Nachwuchses lösen in den allermeisten Fällen Ablehnung und Trotz aus. Das wiederholte, aber nicht vorwurfsvolle Ansprechen problematischer Themen in ruhigen, entspannten Momenten führt bei Kindern in der Pubertät zwar wahrscheinlich auch nicht unmittelbar zum Erfolg, aber so können Eltern transportieren, dass sie am Leben ihrer Kinder teilhaben und ihnen bei Schwierigkeiten hilfreich zur Seite stehen wollen. Auch wenn Jugendliche ihren Eltern gerne vermitteln, dass sie nicht mehr gebraucht werden, haben sie deren Unterstützung und Beistand gerade in dieser entscheidenden Lebensphase besonders nötig. Eltern sollten deshalb trotz allem versuchen, stetig mit ihnen in Kontakt zu bleiben, ohne sich aufzudrängen, damit die Teenager sich weder bevormundet noch alleine gelassen fühlen.

Probleme in der Pubertät erkennen und Lösungen anbieten

Übliches pubertäres Benehmen und problematisches Verhalten, wie zum Beispiel emotionale oder soziale Anpassungsstörungen, auseinanderzuhalten, ist oft nicht ganz einfach – vor allem, wenn man seinen Kindern in der Pubertät die nötigen Freiheiten gewähren möchte, die eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Hier ist Fingerspitzengefühl seitens der Eltern gefragt. Bessere Einsicht in das Verhalten des eigenen Kindes liefert in solchen Fällen oft die Rücksprache und Zusammenarbeit mit Institutionen wie der Schule, um die Tragweite der Problematik besser erfassen zu können.

Was tun bei Schwierigkeiten in der Schule?

Nicht selten ist die Schule auch Teil des Problems. Die Pubertät kann mit einem mehr oder weniger plötzlichen schulischen Leistungsabfall einhergehen, der den Eltern oft unerklärlich scheint. Betroffene Eltern sollten versuchen, ihre Erwartungshaltung nicht auf die Kinder zu projizieren und sich selbst sowie ihrem Nachwuchs zuerst einmal klar machen, dass dies nicht das Ende der Welt bedeutet. Viele bekannte und später erfolgreiche Persönlichkeiten haben in ihrer Schulzeit etwas ähnliches erlebt. Ursachenforschung sollte man aber dennoch betreiben. Unkonzentriertheit und Müdigkeit in der Schule zum Beispiel lassen sich oft schlichtweg auf die hormonelle Umstellung und den daraus resultierenden veränderten Schlaf-Wach-Rhythmus während der Pubertät zurückführen. Ein verschobener Wahrnehmungsfokus führt außerdem häufig dazu, dass andere Sachen viel wichtiger erscheinen als gute Schulnoten: das eigene Outfit zum Beispiel, der eigene Körper, das andere Geschlecht oder auch ein cooles Image. Kommt noch hinzu, dass die Jugendlichen dem Unterricht sogar wiederholt fernbleiben, sollten neben dem pubertären Austesten der Grenzen in jedem Fall auch Ursachen wie Mobbing oder übermäßiger Leistungsdruck in Betracht gezogen werden.

Leistungsabfall in der Pubertät mit noch mehr Druck zu beantworten, ist der grundlegend falsche Weg. Im besten Fall überwinden Schüler ihr Tief aus eigener Kraft oder mit Orientierungshilfe und Unterstützung von Mitschülern und Freunden. Ist das nicht der Fall, können Eltern ihren Kindern aktiv Hilfe anbieten und Lernanreize schaffen, ohne ihnen gleich ein Ultimatum zu stellen. Mögliche Konsequenzen sollten in jedem Fall kommuniziert werden, allerdings ruhig und ohne Wertung. Zeigen sich Jugendliche von der Schule und dem Lernstoff eher gelangweilt, können auch Nachhilfeunterricht oder alternative Lerntechniken mittels Online-Übungen, Apps oder Videos eine Lösung sein.

Was tun wenn Jugendliche lügen?

Mit der schmerzlichen Erkenntnis, vom eigenen Kind angelogen zu werden, kommt für Eltern häufig das Gefühl, in der Erziehung versagt zu haben oder den Draht zueinander verloren zu haben. Beruhigend ist, dass dem in den meisten Fällen nicht so ist. Warum Kinder lügen, lässt sich oft nicht einmal genau ergründen. Während der Pubertät sind kleinere und auch größere Lügen in vielen Fällen Teil der Auflehnung gegen Autoritätspersonen und dem Bestreben, sich von diesen zu emanzipieren. Die Angst vor einer Strafe ist auch eine mögliche Ursache dafür, die eigenen Eltern zu belügen, genau wie die Furcht, deren Respekt oder Vertrauen zu verlieren. Auch schlichte Überforderung kann ein Grund für Unwahrheiten sein, der Versuch, ein Verbot zu umgehen oder auch das Ansehen Gleichaltriger zu gewinnen. Auf keinen Fall sollten Eltern mit einem solchen Verdacht ihren Kindern hinterherspionieren oder gar deren Privatsphäre verletzen, indem sie heimlich Computer oder Handys durchsuchen. Ein offener Umgang und das direkte Ansprechen des Themas, möglichst ohne gegenseitige Anschuldigungen, versprechen am ehesten Erfolg. Ansonsten sollten Eltern sich bewusst machen, dass Lügen während der Pubertät kein Ausdruck schlechter Erziehung sind, sondern eher so etwas wie ein vorübergehendes Phänomen. Und schließlich greifen auch Erwachsene so manches Mal durchaus zu einer Notlüge.

Nerven bewahren: So kommen Eltern und Kinder unbeschadet durch die Pubertät

Das Schwierigste für Eltern pubertierender Kinder ist häufig, Ausraster, Streitereien und vermeintliche Angriffe ihrer Sprösslinge nicht persönlich zu nehmen und ihnen nichts nachzutragen. Auch wenn es manchmal schier unmöglich scheint, Gelassenheit ist nach wie vor das beste Mittel für alle Beteiligten, die meist mehrere Jahre andauernde Pubertät unbeschadet zu überstehen. Eltern sollten sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass diese Phase – auch wenn sie anstrengend ist – wichtig und notwendig ist, damit nicht nur der Körper, sondern auch die Persönlichkeit und die Identität der Jugendlichen reifen und sich weiterentwickeln können. Bleibt die Pubertät aus, ist das kein Grund zur Freude, sondern zur Besorgnis, denn dann könnten schwerwiegende gesundheitliche Probleme dahinterstecken.

Während der Pubertät lehnen Jugendliche sich zwar gerne und oft gegen Konventionen und Ansichten auf, welche die Eltern ihnen durch ihre Erziehung vermittelt haben. Untersuchungen zeigen aber, dass man sich davon nicht so einfach befreien kann, selbst wenn man es versucht. Die meisten Menschen haben also trotz turbulenter Pubertät die Werte und Vorstellungen ihrer Eltern durchaus verinnerlicht und tragen diese später weiter. Wem diese tröstliche Erkenntnis nicht reicht, um die pubertäre Phase seiner Kinder zu überstehen, der kann sich auch an diesen hilfreichen Verhaltenstipps für Eltern orientieren:

  • Eltern und Kinder müssen keine besten Freunde sein – gute Eltern zu sein reicht völlig aus.
  • Jugendliche wollen gelobt werden, auch und besonders dann, wenn es gerade nicht ganz rund läuft.
  • Auch wenn sie es nie zugeben würden: Teenies brauchen die Zuneigung und Zärtlichkeit ihrer Eltern.
  • Ihr Freundeskreis und die eigene Privatsphäre sind für Jugendliche heilig, beides sollten Eltern deshalb möglichst unangetastet lassen.
  • Regeln ja, Bevormundung nein: Jugendliche brauchen Struktur, mit einem autoritären Erziehungsstil beißen Eltern dann allerdings meistens auf Granit.
  • Dialog statt Monolog: Wer geduldig immer wieder versucht, mit seinem Kind konstruktiv zu kommunizieren, hat bessere Erfolgsaussichten als Eltern, die ständig mit erhobenem Zeigefinger Gebote und Verbote vortragen.
  • Streiten ist genauso wichtig wie zuhören – Jugendliche in der Pubertät wollen sich an Erwachsenen reiben, ab und an sollten sie das auch dürfen – nur persönlich nehmen sollte man es dann nicht.
  • Gelassenheit statt Stress – schließlich war jeder auch selbst einmal pubertierender Teenager.
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