Literatur der Aufklärung

1. Definition und Grundgedanke

Wenn wir von der Aufklärung sprechen, beziehen wir uns in etwa auf den Zeitraum 1720 bis 1790.

In ganz Europa verbreiteten sich im 17. Jahrhundert die Ideen von Rationalität und Humanität. Das 18. Jahrhundert gilt als der Beginn der Moderne. Das langsam entstehende Bürgertum verdrängte nach und nach den Feudalismus und stellte die gottgegebene Allmacht des Adels infrage.

Ein bedeutender philosophischer Vertreter der Aufklärung war Immanuel Kant. Ein signifikanter Leitspruch der Aufklärung stammt von ihm und lautet:

  • Sapere aude! (Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!)

Kant forderte, der Mensch sollte sich von seiner „selbstgewählten Unmündigkeit“ befreien, das heißt, die Organisation seines Lebens und die Interpretation der Wirklichkeit nicht aus Bequemlichkeit oder Mangel an Mut anderen überlassen, sondern sich am Denken beteiligen. Die Anhänger der Aufklärung wollten mit althergebrachten Vorurteilen und Aberglauben aufräumen, stellten die Vernunft über alle Dinge und setzten sich für Toleranz, Menschenrechte und das Allgemeinwohl ein.

2. Textformen und Gattungen

Verstand und Vernunft waren der höchste Maßstab zur Interpretation der Welt. Die barocken Dichter hatten die Welt nach vorgegebenen Mustern illustriert. Diese bloße Abbildung fordert den Leser jedoch nicht zu eigenen Interpretationen heraus. Die Dichter der Aufklärung wünschten sich hingegen einen Leser, der die Welt aktiv und eigenverantwortlich interpretiert und nicht bloß vorstrukturierte Muster erkennt. Die Dichtkunst der Aufklärung sollte nicht nur unterhalten, sondern sie musste nützen und zu gutem Geschmack erziehen, eine gute Gesinnung vermitteln und die Natur beschreiben.

  • Welche Gattungen eignen sich dafür, den Leser unterhaltsam zu belehren?

Neben dem Drama und dem Roman, der Parabel und dem Trauerspiel eignete sich insbesondere die Fabel für diesen Erziehungsanspruch.

In einer Fabel werden insbesondere Tiere personifiziert, die auf eine ganz bestimmte Art handeln. Im Laufe der Zeit haben sich bestimmte feststehende Zuordnungen etabliert. So repräsentiert ein Lamm beispielweise Einfältigkeit, der Fuchs List und die Schlange Hinterhältigkeit. An die eigentliche Geschichte schließt sich in einer Fabel ein Kommentar an, der eine bestimmte Moral zum Ausdruck bringen soll.

3. Werke und Autoren

  • Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)

ist einer der Hauptrepräsentanten der Literatur der Aufklärung. Er schuf das bürgerliche Trauerspiel Emilia Galotti. Die Hauptperson dieser Tragödie ist eine Bürgerliche. Im Gegensatz dazu ist die Protagonistin in dem Lustspiel Minna von Barnhelm eine Adelige, was bis dahin in einem Lustspiel unvorstellbar war.

Lessing schuf sogenannte Mischformen, wodurch er klassizistische Regelgefüge aufhob. Lessing wollte dieses strenge Regelgefüge auflösen und dem Dichter mehr Wirkungsmöglichkeiten verleihen. Er nahm an, dass der Zuschauer stärker in das dargestellte Geschehen mit einbezogen wird und so eher am Kernkonflikt des Helden Anteil nehmen kann. Im Hinblick auf die Ständeklausel ist anzunehmen, dass bei einem bürgerlichen Publikum eher eine Identifikation mit einem bürgerlichen als mit einem adeligen Helden stattfindet.

Zu seinen Spätwerken gehören das theoretische Werk Die Erziehung des Menschengeschlechts sowie Nathan der Weise.

Ein weiterer wichtiger Repräsentant ist:

  • Johann Christoph Gottsched (1700-1766)

Gottsched orientierte sich am klaren Aufbau des französischen Dramas des Klassizismus, das jedoch der Originalität des Dichters kaum Raum ließ. Beispielweise sollten nach Gottsched die Figuren in den Dramen nach einer strengen Ständeklausel konstruiert werden: Dem Adel war die Tragödie vorbehalten und das einfache Volk durfte nur in Komödien mitspielen.

Zu seinen literarischen Werken zählt Sterbender Cato. Er verfasste viele Zeitschriftenbeiträge und theoretische Werke, wie Versuch einer critischen Dichtkunst vor die Deutschen, Ausführliche Redekunst, Grundlegung einer deutschen Sprachkunst.

  • Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769)

ein Moralphilosoph und Dichter wurde vor allem für seine Fabeln bekannt. Neben Fabeln und Erzählungen veröffentlichte er Lieder, Reden, Erzählungen und Abhandlungen. Bekannt sind ebenfalls seine Lustspiele wie beispielsweise Die Betschwester oder Das Leben der Schwedischen Gräfin von G***.

  • Immanuel Kant (1724-1804) Was ist Aufklärung?
  • Christoph Martin Wieland (1733-1813) Agathon
  • Georg \ Christoph Lichtenberg (1742-1799) Sudelbücher

4. Steckbrief Aufklärung

Zeitraum:

Kerngedanke/Schlüsselbegriffe:

Textformen:

Autoren:

Werke:

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