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Literatur des Biedermeier und Vormärz

Dieser Artikel handelt von der Literatur des Biedermeier und Vormärz, deren Definition, Grundgedanke, Textformen, Gattungen, Autoren und Werke.

1. Definition und Grundgedanke

Die Epoche des Biedermeier und Vormärz umfasst den Zeitraum von 1815 bis 1848 und endet mit dem Scheitern der bürgerlichen Revolution von 1848 in Berlin. Zwei unterschiedliche literarische Strömungen entwickelten sich gleichzeitig während der Restauration. Die einen kehrten sich von der Politik ab, die anderen politisierten die Dichtung.

Biedermeier
1815-1848

Vormärz
1825-1848

Resignation und Verinnerlichung: Rückzug ins Private

Abwendung von der Politik

Politisches Bewusstsein bildet sich heraus

Dichtung dient der politischen Auseinandersetzung

Philosophischer Hintergrund während der Restauration waren die Werke von

  • Friedrich Hegel (1770-1831) Wissenschaft der Logik, Grundlinien der Philosophie des Rechts
  • „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“
  • „Denk ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht“
  • 2. Biedermeier

    Die Biedermeierdichtung setzte den realen Verhältnissen eine schöne, heile Weilt entgegen. Die private Idylle wurde hochgeschätzt. Themen waren Ordnung, ein politisches Mittelmaß, sich mit seinem Schicksal abfinden und das kleine Glück.

    Die Biedermeier- Epoche war bis auf einige Ausnahmen durchaus nicht sehr originell. Man orientierte sich an Werken der Spätromantik. Von der eigentlichen Philosophie der Romantik ließ man jedoch wenig übrig. Es entstanden triviale Gespenster- und Schauergeschichten sowie kitschige Liebesromane.

    Im Biedermeier verkehrte man das romantische Ideal in das, was man auf beschauliche und anheimelnde Weise als „schön“ bezeichnen wollte – etwas, das unkompliziert in die bürgerliche Stube integrierbar war. Dass Die Früh- und auch noch die Hochromantik eine geradezu antibürgerliche Bewegung war, schien vergessen.

    2 kostenlose Probestunden

    2.1 Textformen und Gattungen

    Volkslustspiele, wie Komödien oder Zauberstücke, Balladen, Kurzgeschichten, Stimmungsbilder und Novellen waren beliebte Ausdrucksformen. Wichtige Themen der Lyrik waren Häuslichkeit und Sittlichkeit, Religion, Liebe und Entsagung.

    Ein Beispiel für Häuslichkeit ist Mörikes:

    Auf eine Lampe

    Noch unverrückt, o schöne Lampe, schmückest du,
    An leichten Ketten zierlich aufgehangen hier,
    Die Decke des nun fast vergessnen Lustgemachs.
    Auf deiner weissen Marmorschale, deren Rand
    Der Efeukranz von goldengrünem Erz umflicht,
    Schlingt fröhlich eine Kinderschar den Ringelreihn.
    Wie reizend alles! lachend, und ein sanfter Geist
    Des Ernstes doch ergossen um die ganze Form -
    Ein Kunstgebild der echten Art. Wer achtet sein?
    Was aber schön ist, selig scheint es in ihm selbst.

    Durch die Trivialisierung der romantischen Literatur sahen sich auch die Biedermeier- Leser angespornt, selbst Texte zu verfassen – mehr oder weniger qualitativ hochwertig. In dieser Epoche entstanden beispielsweise Poesiealben. Sie sind ein Zeugnis der ungehemmten Dichtleidenschaft, die sich entwickelt hatte.

    2.2 Autoren und Werke

  • Annette Freiin von Droste-Hülshoff (1797-1848) Heidebilder, Die Judenbuche. Ein Sittengemälde aus dem gebirgichten Westfalen
  • Jeremias Gotthelf (1797-1854) Die schwarze Spinne
  • Eduard Mörike (1804-1875) Maler Nolten
  • Adalbert Stifter (1805-1868) Der Nachsommer
  • Die wohl bedeutendsten Biedermeier-Dramatiker stammten aus dem benachbarten Österreich. Sie verbindet ihre pessimistische Weltsicht.

  • Franz Grillparzer (1791-1872) Die Ahnfrau, Weh dem, der lügt!, Der arme Spielmann
  • Johann Nestroy (1801-1862) Der böse Geist Lumpazivagabundus oder Das liederliche Kleeblatt
  • Ferdinand Jakob Raimund (1790-1836) Moisasurs Zauberfluch
  • 3. Junges Deutschland und Vormärz

    Den Charakter der Vormärz- Literatur repräsentiert Georg Büchners Parole

    Die Literatur des Vormärz kritisieren die restaurative Politik Metternichs und die damit verbundene Stärkung feudalistischer Privilegien-Träger. Sie lehnte Restauration, Adel und Zensur ab und setze sich für die Meinungsfreiheit ein. Themen waren beispielsweise Volk und Vaterland.

    3.1 Textformen und Gattungen

    Beliebte Gattungen waren Lyrik, Epik und Drama. Reiseliteratur eignete sich hervorragend, um politische Veränderungen darzustellen. Weiterhin entstanden eine Vielzahl politischer Gedichte, die sogenannte Protest- und Agitationslyrik, sowie Flugblätter. Das bekannteste Zeugnis ist hier wohl Georg Büchners Der Hessische Landbote. Ebenfalls sehr bekannt ist Heines Gedicht Deutschland. Ein Wintermärchen mit der berühmten Zeile

    Ab den 40er Jahren sprechen wir im eigentlichen Sinne von Vormärz. Nun nahm die Politisierung radikal zu. Mit der Entstehung der Arbeiterklasse entsteht gleichzeitig sozialistische Literatur. Es werden sozialkritische Industrieromane, Berichte und Skizzen veröffentlicht.

    Wichtig für die Entwicklung der Literaturkultur ist der Umgang mit dem Drama. Georg Büchner bricht mit der Tradition des idealistischen Drama à la Schiller und schafft eine Hauptfigur, die über keinerlei Bildung verfügt und sich kaum artikulieren kann. Woyzeck ist ein Opfer der gesellschaftlichen Umstände, die ihn determinieren und zu dem machen, was er ist: einem Verbrecher. Somit ist der Mensch nicht für sein Handeln verantwortlich zu machen, sondern die gesellschaftlichen Umstände, in denen er lebt.

    Büchners soziales Drama bricht mit dem klassischen Drama und er wird somit zu einem Wegbereiter der Moderne.

    Klassisches Drama (Schiller)

    Soziales Drama (Büchner)

    die gesellschaftliche Realität bleibt außer Acht

    die gesellschaftliche Realität wird thematisiert

    Protagonisten haben freien Willen

    Protagonisten haben keinen freien Willen, sie sind fremdbestimmt (das Sein bestimmt das Bewusstsein)

    humanistisch-idealistisch

    materialistisch-pessimistisch

    Heinrich Heine ironisiert den kitschigen Umgang mit romantischen Motiven:

    Das Fräulein stand am Meere

    Das Fräulein stand am Meere
    Und seufzte lang und bang,
    Es rührte sie so sehre
    Der Sonnenuntergang.

    "Mein Fräulein! Sein Sie munter,
    Das ist ein altes Stück;
    Hier vorne geht sie unter
    Und kehrt von hinten zurück.“

    3.2 Autoren und Werke

    Junges Deutschland

  • Georg Büchner (1813-1837) Der Hessische Landbote, Dantons Tod, Woyzeck
  • Heinrich Heine (1797-1856) Buch der Lieder, Reisebilder
  • Christian Dietrich Grabbe (1801-1836) Napoleon oder Die hundert Tage
  • Vormärz

  • Heinrich Heine (1797-1856) Ein Wintermärchen
  • August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) Unpolitische Lieder, Das Lied der Deutschen
  • Georg Herwegh (1817-1875) Gedichte eines Lebendigen
  • Georg Ludwig Weerth (1822-1856) Das Hungerlied, Prosa des Vormärz
  • Von erheblichem Einfluss waren die Werke von

  • Karl Marx (1818-1883) und
  • Friedrich Engels (1820-1895)
  • Die deutsche Ideologie, Das Elend der Philosophie, Manifest der Kommunistischen Partei

    4. Steckbrief Biedermeier/ Vormärz

    Biedermeier

    Vormärz

    Zeitraum:

    Kerngedanke/
    Schlüsselbegriffe:

    Textformen:

    Werke:

    Autoren:

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