Die Konzeption des Guten nach Aristoteles, Kant und Mill

Das Gute nach Aristoteles

Aristoteles charakterisiert das Gute als das, wonach alles strebt, wobei das Problem in Anlehnung an die platonische Ideenlehre in der Frage besteht, inwieweit sich das individuell angestrebte Gute von dem Guten, das alle anstreben, unterscheidet. Diese Problematik wurde auch im Zuge des mittelalterlichen Universalienstreits diskutiert. Das höchste Gut bezeichnet Aristoteles als etwas vollendetes, sowie als etwas, das als letztes Endziel an der Spitze der menschlichen Zielhierarchie steht. Somit muss es etwas sein, das um seiner selbst Willen erstrebt wird – der Erwerb materiellen Reichtums z.B. wird somit formal ausgeschlossen. Der Inhalt dieses höchsten Guten wurde von Aristoteles als Eudaimonia – Glück – bezeichnet, woher sich der Name seiner Konzeption ableitet. Die Zielhierarchie deutet darauf hin, daß alles Streben und Schaffen des Menschen das eine Gute zum letzten Zweck haben muss. Somit steht das menschliche Handeln im Mittelpunkt seiner Überlegungen, weshalb die eudämonistische Konzeption auch als konsequentialistisch bezeichnet werden kann. Aristoteles weist folglich in der Nikomachischen Ethik mehrfach darauf hin, daß das Gute etwas ist, das mittels Lernen und Üben erreicht werden kann. Er bezeichnet die vollkommene Glückseligkeit – als Inhalt des Guten – ferner auch als „Denktätigkeit“ (vgl. Nikom. Eth, S. 252). Da Aristoteles auch die Vernunft als edelstes Gut des Menschen bezeichnet, betrachtet er die Ausprägung der Tugenden als Inhalt dieser Lern- und Denktätigkeit hinsichtlich der Eudaimonia-Erreichung. Zwei Voraussetzungen müssen dafür jedoch gegeben sein: Das Vorhandensein äußerer Güter, wie z.B: körperlicher Unversehrtheit, Schönheit und Gesundheit, sowie geeignete institutionelle Rahmenbedingungen, was letztlich Aufgabe der Staatskunst ist.

Das Gute nach Kant

Ganz im Gegensatz zu Aristoteles, dessen Konzeption des Guten erlernbar ist, und somit auf Erfahrungen basiert, also a posteriori gilt, steht die Auffassung von Kant, der in Anlehnung an das Induktionsproblem von Hume den Wert der Erfahrung für die Konzeption des Guten ablehnt. Seine Konzeption gilt a priori, da sie empirisch nicht zu gewinnen ist. Dies begründet Kant damit, dass das Gute für die Allgemeinheit und für diese ferner notwendig, also ohne Ausnahmen gelten muss. Das moralische Prinzip Kants ist somit ein synthetisches Urteil.

Das absolut Gute besteht bei Kant im guten Willen, und zwar unabhängig von den aus der Handlung resultierenden Folgen, deshalb bezeichnet man seine Auffassung im Gegensatz zur aristotelischen als nicht-konsequentialistisch. Gemeinsam mit Aristoteles betont jedoch auch Kant das Gute als absoluten Wert und letzten Zweck. Der Selbstzweck, der bei Aristoteles das Glück darstellt, wird von Kant als absoluter autonomer Wille bezeichnet. Autonom bedeutet selbst-gesetzgebend.

Das hauptsächliche Problem besteht in der Beeinflussbarkeit des guten Willens durch sinnliche Neigungen. Kant formulierte daraus den kategorischen Imperativ, der das unbedingte Gebot des Sollens und des Handelns aus Pflicht darstellt. Daher wird die Konzeption des Guten von Kant durch den guten Willen definiert, dahingehend ergänzt, dass der menschliche Wille idealerweise durch die Vernunft bestimmt wird, dabei den kategorischen Imperativ befolgt und aus Pflicht handelt.

Die eudämonistische Ethik Aristoteles‘ setzt genau wie Kant auf die Vernunft und hebt die Ausbildung der Tugenden hervor. Damit grenzt er jedoch selbst Tiere, Frauen, Sklaven und Kinder aus seiner Konzeption aus, da diese keine Tugendfähigkeiten besitzen. Genau dies tut Mill nicht, der eine utilitaristische Konzeption verfolgt, die ebenso wie die aristotelische als konsequentialistisch eingestuft werden kann. Mill bezieht alle Menschen und auch Tiere mit in seine Konzeption mit ein. Während Kant ausschließlich die Pflicht des Handelns in das Zentrum des Interesses stellt, bewertet Mill nur die moralischen Konsequenzen der Handlung, ganz gleich, aus welchen Motiven diese erfolgt ist.

Das Gute nach Mill

Ebenso wie Aristoteles und Kant ist auch Mill von der Idee des Guten als höchsten Wert überzeugt. Im Unterschied zur individualistischen Konzeption Aristoteles‘ betrachtet Mill jedoch die Maximierung des gesamten Guten, was jedoch auch mehrere Probleme mit sich führt, wie z.B. das Problem der Interpersonalität.

Auch in der inhaltlichen Bestimmung des Guten unterscheidet sich Mill von Aristoteles (Glück) und Kant (guter Wille) erheblich: Er stellt bestimmte mentale Zustände, die z.B: Wohlbefinden oder auch Lust beinhalten können, in den Mittelpunkt der Betrachtung. So besteht das Gute nach Mill aus zwei Hauptbestandteilen: Die Ruhe und die Erregung. Hedonismus ist daher das häufigste Argument gegen Utilitaristen.

Das Fazit

Die Konzeptionen des Guten der drei Autoren weisen starke Gemeinsamkeiten auf, was die Art des Gegenstandes betrifft: Höchstes Gut, letztes Ziel und Erreichung um seiner selbst Willen. Aristoteles und Kant verweisen beide auf die Vernunft als entscheidendes Merkmal zur Erreichung des Guten. Da somit Tiere ausgeschlossen werden (bei Aristoteles explizit, bei Kant implizit), lehnt Mill dieses Kriterium ab. Bei der Grundfrage nach Bewertung des Guten nach Folge oder Absicht gibt es wiederum Gemeinsamkeiten bei Aristoteles und Mill, die beide den konsequentalistischen Ansatz verfolgen, während die Pflichtenethik Kants einen strikten nicht-konsequentialistischen Ansatz verfolgt. Die größten Unterschiede findet man in der inhaltlichen Bestimmung des Guten, die von Aristoteles als das Glück, von Kant als den Guten Willen und von Mill als Lust bzw. Freiheit von Unlust bezeichnet wurde.

 

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