Die Singstimmen in der Oper

Wie unterscheiden sich die Singstimmen?

Die Singstimmen und Stimmlagen werden bis auf wenige Ausnahmen nach dem Geschlecht in Frauen- und Männerstimmen unterschieden. Die jeweiligen geschlechtsspezifischen Stimmlagen werden untereinander durch tonale Bandbreiten unterschieden, sind aber keine festen und unüberwindbare Abgrenzungen. Zudem gibt es innerhalb einer Singstimme, z.B. Sopran, Einordnungen hinsichtlich der Rolle, der Liedart und des Darstellungsgegenstandes des Sängers (z.B. lyrischer, dramatischer, Koloratursopran).

Ausbildung und Training der menschlichen Stimme für einen gekonnten Gesang ist ein langwieriger und intensiver Prozess. Deswegen ist eine Spezialisierung auf eine Singstimme notwendig, die auch von körperlichen und physischen Gegebenheiten abhängt (z.B. Brust, Kehlkopf, Stimmbänder, Lunge). Montserrat Caballé (Sopran) trainierte in ihrem Swimmingpool das Untertauchen bis zu vier Minuten, um ihre Lunge zu stärken.

Vom 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts durften in weiten Teilen Italiens (die Oper ist eine italienische Erfindung) Frauen nicht öffentlich sängerisch auftreten (vor allem im Kirchenstaat). Deshalb bediente man sich „bearbeiteter“ Männer und Knaben, die diese weiblichen Stimmen sangen und in sogenannte „Rockrollen“ schlüpften. Man kastrierte Knaben im frühen Alter, konnte sehr früh mit deren Stimmausbildung beginnen und musste nicht mit einer Stimmänderung durch Stimmbruch und Mannwerdung rechnen. Meistens entschieden sich die Eltern für die Beschneidung ihrer Söhne in der Hoffnung, wirtschaftliche Vorteile für die Familie durch die Gesangskarriere ihres Sohnes zu erlangen. Diese Rechnung ging nur in seltenen Fällen auf. Falsettstimmen und Countertenöre sind weibliche Singstimmen durch Männer, die nicht kastriert sind. Rossini (selbst knapp der Kastration entgangen) komponierte noch 1813 eine einzige Oper für Kastraten-Sopran: die Rolle des Arsace für Giambattista Velluti in der Oper „Aurelio in Palmira“.

 

Die weiblichen Singstimmen

  • Sopran

Sopran ist die hohe Frauenstimme oder Knaben-/Kastratenstimme. Der Tonumfang geht von „h bis f´´“. Sopran ist die meistgesungene Frauenstimme, daher ist die rollenspezifische Unterscheidung in lyrischen, jugendlich-dramatischen, dramatischen, hochdramatischen und Koloratursopran vielfältig.

  • Mezzosopran

Mezzosopran (ital. „mezzo“ = halb) ist die mittlere Frauenstimme zwischen Sopran und Alt. Der Umfang geht von „g bis c´´“. Man unterscheidet lyrischen, dramatischen und Koloratur-Mezzosopran.

  • Alt

Alt (lat. „altus“ = hoch) bezeichnete früher die mittlere Tonlage von Frauen, heute ist das die tiefe Frauenstimme, vergleichbar mit dem männlichen Bass. Der Stimmumfang geht von „e bis a´´“.

Die männlichen Singstimmen

  • Tenor

Der Tenor ist die hohe männliche Stimme und reicht von „a bis d´“. Wie der Sopran bei Frauen ist der Tenor die meistgesungene Männerstimme. Tenöre kombinieren Kopf- und Bruststimme. Man unterscheidet in Spieltenor, lyrischen Tenor, Helden- und Charaktertenor.

  • Bariton

Bariton ist die mittlere Männerstimme und liegt zwischen Tenor und Bass. Der Tonumfang geht von „F bis b´“. Tendiert der Bariton hin zu Bass so spricht man Bassbariton. Es gibt lyrische, Kavalier-, Helden-, Charakterbaritone.

  • Bass

Bass (lat. „bassus“ = tief) ist die tiefe Männerstimme und die tiefste Stimme einer Komposition mit dem Umfang von „C bis g´“. Man unterscheidet Bassbuffo, Charakterbass, seriöser Bass, Basso cantante.

 

Sonderstimmen

  • Falsett-Stimmen

Falsett ist die hohe Männerstimme, eine reine Kopfstimme. Falsett heißt wörtlich „Falschgesang“, ein Falsettist ist ein „Falschsinger“, weil er nur die Kopfstimme benutzt.

  • Countertenor

(engl. „Gegentenor“). Dies ist die höchste männliche Stimme (Umfang „c bis e´´“). Dies wird durch Kopf- und Falsettstimme erreicht. Countertenöre singen die Stimmen, die früher Kastraten gesungen haben (ohne selbst welche zu sein).

  • Kastratenstimmen

Kastraten sangen früher Sopran oder Alt, also hohe Frauenstimmen. Diese „Verschnittenen“ spielten in den Opern des 17. und 18. Jahrhunderts eine große Rolle; einige von ihnen wurden sehr berühmt (Cecilia Bartoli, Mezzosopran, gibt in ihrem Album „Sacrificium“ die Singkunst der Kastraten eindrucksvoll und gekonnt wider).

 

Die Kombination von Stimmen

Neben Solo-Arien von Stimmen wird der musikalische Ausdruck erst dann besonders schön, wenn unterschiedliche Stimmen in gemeinsamen Arien und Auftritten dargeboten werden. Die klassische Kombination von Sopran und Tenor findet man z.B. in Verdis „La Traviata“, in Puccinis „La Boheme“; Sopran und Bariton in Verdis „Rigoletto“. Herausragend ist die seltene Kombination von Tenor und Alt (im Duett) in Verdis „Luisa Miller“ (Schiller, Kabale und Liebe).
Es gibt eine einzige Oper mit ausschließlich weiblichen Stimmen (5 x Sopran, 3 x Mezzosopran, 1 x Alt): Giacomo Puccini, „Suor Angelica“ (Schwester Angelica).

Ist die weibliche Stimme in einer Oper Protagonist, die herausragende Rolle, und ist eine Opernsängerin weltweit erfahren und berühmt, eine Könnerin auf ihrem Gebiet, dann spricht man von „Primadonna“ oder gar von „Primadonna assoluta“. „Seconda donna“ ist eine weitere, die zweite wichtige Frauenstimme und –rolle neben der Primadonna. Bei Männern spricht man von „Primo uomo“, „Secondo uomo“.

Koloratur

Koloratur (lat. „color“ = Farbe) ist die Ausschmückung, “Färbung” einer Stimme durch Triller, schnelle Läufe oder Sprünge. Seit dem 17. Jahrhundert sind Koloraturarien, insbesondere des Sopran, unverzichtbarer Bestandteil italienischer Opern. Zu unterscheiden sind virtuose und dramatische Koloratur. Erstere ist die individuelle Darstellung der sängerischen und stimmlichen Fähigkeiten einer Sängerin (man gibt der Rolle und Stimme eine persönliche und brillante „Farbe), zweitere ist der in der Rolle und der Komposition vorgesehene Ausdruck einer Rolle, z.B. „dem Wahnsinn verfallen“ (in Donizettis „Lucia di Lammermoor“). In der Sopran-Stimmlage gibt es das Stimmfach eines Koloratur-Soprans.

Berühmte Sänger/innen

  • Sopran

Victoria de los Angeles, Montserrat Caballé, Maria Callas, Lisa della Casa, Edita Gruberová, Ingeborg Hallstein, Anna Moffo, Lucia Popp, Leontyne Price, Anneliese Rothenberger, Wilhelmine Schröder-Devrient, Renata Scotto, Joan Sutherland, Renata Tebaldi, Kiri Te Kanawa, Anna Netrebko.

  • Tenor

Carlo Bergonzi, José Carreras, Enrico Caruso, Plácido Domingo, Nicolai Gedda, Peter Hofmann, René Kollo, Luciano Pavarotti, Rudolf Schock, Giuseppe di Stefano, Wolfgang Windgassen, Fritz Wunderlich, Rolando Villazόn.

  • Mezzosopran

Agnes Baltsa, Cecilia Bartoli, Teresa Berganza, Grace Bumbry, Marilyn Horne, Maria-Felicia Malibran, Martha Mödl (auch Sopran).

  • Bariton

Ettore Bastianini, Renato Bruson, Vladimir Chernow, Dietrich Fischer-Dieskau, Tito Gobbi, Hermann Prey.

  • Alt

Jelena Obraszova, Marian Anderson, Gabriella Besanzoni.

  • Bass

José van Dam (Bassbariton), Nicolai Ghiaurov, Ruggero Raimondi, Fjodor Schaljapin.

  • Kastraten

Francesco Bernardi (genannt Senesino), Carlo Broschi (genannt Farinelli), Gaetano Majorano (genannt Caffarelli), Giovanni Carestini (genannt Cusanino), Giambattista Velluti.

  • Falsett/Countertenöre

Alfred Deller.
Eine gekonnte Falsettstimme hatte der Rumäne Dona Dumitru Siminicá, allerdings sang er nicht in der Klassik, sondern in der rumänischen Folklore

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