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Kindererziehung im Ausland...

Anderes Land, andere Erziehung. Wir stellen die verschiedenen Erziehungsansätze vor und zeigen die Unterschiede zur klassisch-deutschen Kindererziehung auf. ...

Beim Erziehungsstil kann man verschiedene Typen unterscheiden. Der Volksmund spricht von Töpfer-Eltern, die ihr Kind nach den eigenen Vorstellungen wollen, das Gegenpaar dazu sind die Gärtner-Eltern, die das Kind wachsen lassen und mehr oder weniger nur zusehen was dabei herauskommt. Die Sicht aufs Kind und wie es Lernen und Heranwachsen soll variiert in verschiedenen Ländern teils drastisch. In der Konsequenz ist auch die Erziehung von Kultur zu Kultur verschieden.

Kindheit in den USA: Spielend lernen und immer gut betreut

In den USA nimmt die Kindererziehung eine ganz besonders wichtige Stellung ein: Viel Zeit und Mühe wird aufgewendet, um den Sprösslingen das perfekte Umfeld zum Heranwachsen zu bieten. Die Kinder sollen viel lernen und werden daher schon von klein auf stark gefördert. Vorschulen sind so gestaltet, dass Kinder in einem Lerncenter aus verschiedensten Aufgaben selbst auswählen können, womit sie sich beschäftigen. Das Material mit dem Kinder ihre Zeit verbringen ist immer darauf ausgerichtet, dass man dabei etwas lernen kann, reines Spielzeug findet man in amerikanischen Kindergärten oder –zimmern kaum. Das andere wichtige Erziehungsziel von Eltern in den USA ist Kindern ein Höchstmaß an Sicherheit zukommen zu lassen. Daher werden die Kleinen immer beaufsichtigt. Beispielsweise begleitet eine Aufsicht nach dem Unterricht die Kinder zum Schulbus und kehrt erst ins Gebäude zurück, wenn der Bus abgefahren ist. Die negative Kehrseite davon ist, dass die Sprösslinge eher wenig Selbstständigkeit lernen. Zum Beispiel bewegen sich amerikanische Kinder nicht alleine durch die Stadt, sondern werden mit dem Auto gefahren oder zumindest begleitet. Und da sie auch immer beschäftigt werden, fällt ihnen selbst oft nichts ein, was sie tun könnten.
Der Umgang mit den Kindern ist oft recht streng und Fehlverhalten wird häufig mit Zimmerarrest oder sogenannten “time-outs” bestraft. Im Gegenzug dazu werden gute Leistungen in den meisten Fällen überschwenglich gelobt. Als Lernansatz steckt dahinter, dass die Kinder ganz genau lernen sollen, was gut und böse ist.

Disziplin und Drill in China: Der Weg zur Hochleistungsgesellschaft

Wer kennt sie nicht, die Bilder chinesischer Kinder, die in Sport-Internaten zu Höchstleistungen gedrillt werden. Bei Niederlagen und Verletzungen wird das Kind kaum getröstet, sondern deutlich für seine schlechte Leistung gerügt. Zhao Yuanhong, die über chinesische Kindererziehung forscht, begründet das damit, dass chinesische Eltern den Gefühlen ihrer Kinder bei Weitem nicht so viel Bedeutung beimessen wie deutsche Eltern. Sie tauschen sich nicht so intensiv mit ihren Kindern über ihr kindlich Erlebtes aus, sondern forcieren vielmehr die Erfolge der kleinen Erwachsenen.
Hinzu kommt, dass Disziplin, Erfolg und Respekt wichtiger sind, als Spiel und Freude. In China ist das Ziel gute Schulleistungen zu erbringen und dabei in der Klasse nicht aufzufallen. Es geht dabei nicht darum, dass ein einzelnes Kind Erfolg hat, sondern dass die (chinesische Staats-) Gemeinschaft eine leistungsstarke Gesellschaft bildet. Das Kollektiv steht über dem Individualismus.

Afrika: Afrikanische Kinder weinen nicht

Afrikanische Staaten haben keine einheitliche Erziehungskultur, Namibia kann aber als Beispiel für viele Staaten Afrikas herangezogen werden.
Kleine Kinder bis etwa 1 Jahr werden in afrikanischen Ländern stark umsorgt und immer bei sich getragen. Aber sie sollen nicht zu viel schreien. Wenn sie sich nicht schnell beruhigen, werden sie weggetragen, und lernen so schnell sich möglichst ruhig zu verhalten, um in der Gruppe bleiben zu können. Sobald ein Kind aus den Windeln ist, wird erwartet, dass es nicht mehr weint. Wenn dies einem Kind dennoch passiert, gucken Freunde und Familienmitglieder weg und das Kind versucht die Tränen zu verstecken. Allgemein möchten Eltern Kinder am liebsten nicht sehen und hören. Es wird erwartet, dass sie unter sich bleiben und die Erwachsenen nicht stören. Da Kinder somit meist ohne Aufsicht sind, haben sie auch wenige Regeln, an die sie sich halten müssen. Wenn Kinder sich ungehorsam gegenüber Erwachsenen verhalten, wird dies meist mit Schlägen unterbunden. Für Menschen der westlichen Kultur mag dies an die Erziehung von Tieren erinnern und wenig liebevoll anmuten. Jedoch werden Kinder – sofern möglich – auch mit Süßigkeiten überschüttet und erhalten alle Vorzüge, wenn sie nur mit anderen Kindern spielen und die Eltern nicht mit Fragen belästigen.

Japan: Kuschelpädagogik?

Wenn ein Kind die Wohnzimmerwand anmalt, reagiert eine japanische Mutter sehr zurückhaltend. Sie weist das Kind darauf hin, dass es schön gemalt hat aber noch besser malen könnte, wenn es Papier verwenden würde, so Dr. Marion Grein von der Universität Mainz. Eine amerikanische Mutter würde ihren Nachwuchs eher schimpfen und drohen die Buntstifte wegzunehmen, bis das Kind gelernt hat wie man damit umgeht.
Der Grund dafür ist, dass man in Japan einerseits ein Fehlverhalten des Kindes damit begründet, dass es das nicht besser wissen kann und andererseits nicht bestraft. Eltern lernen Kinder erwünschte Verhaltensweisen, indem sie ihnen diese immer wieder vor machen und richtige Nachahmung mit Lob und Süßigkeiten belohnen. Japanische Kinder sieht man jedoch auch sehr selten Erwachsene drangsalieren, was in erster Linie daran liegt, dass sie ohnehin jede Aufmerksamkeit und Zuwendung bekommen. Für westliche Beobachter entsteht damit der Eindruck, dass die Kinder besser erzogen sind, jedoch müssen sie tendenziell nicht so vehement auf sich aufmerksam machen.

Russischer Idealismus: Die Liebe zu Kindern als wichtigstes Lebensziel

Wenn Russen gefragt werden, welche Eigenschaft die wichtigste für den idealen Mann oder die ideale Frau ist, dann ist der wichtigste Punkt auf beiden Seiten die Liebe zu Kindern. Familie hat in Russland einen enorm großen Stellenwert und wird als sehr wichtig für persönliches Lebensglück angesehen. Häufig leben Großeltern, Kinder und Enkel unter einem Dach, was teils finanziell bedingt ist, jedoch auch durch den engen gewünschten Zusammenhalt begründet ist. Russische Familien streiten und diskutieren viel, Kinder bekommen auch mal einen Klaps auf den Po, wenn sie sich falsch verhalten, aber andererseits hilft man sich gegenseitig in allen Lebensbereichen und ein intaktes soziales Umfeld ist für alle Mitglieder enorm wichtig. Dies sind auch die Werte, mit denen Kindern groß werden. Zudem werden persönliche Verwirklichung oder Selbstständigkeit nicht sehr hoch eingeschätzt. Kollektivismus und Gruppenbezogenheit, die schon durch die staatliche Ordnung vorgegeben sind, sind auch für Erziehungsziele maßgeblich.

Finnische Kinder lernen viel: Rundum Betreuung durch akademische Kräfte

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird in Finnland nicht nur versprochen, sondern tatsächlich erreicht. Erheblich mehr Menschen sind in Vollzeit beschäftigt, wohingegen in Deutschland gerade Frauen vielfach in Teilzeit arbeiten. Kinder können in Finnland bereits ab dem ersten Monat in Kinderkrippen untergebracht werden und jede Familie hat einen gesetzlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz. Auch darüber hinaus unterstützt der Staat Eltern so gut er kann, zum Beispiel erhält jedes Neugeborene ein Babypaket mit umfassendem Inhalt vom Strampler bis zur Nagelschere. Kaum vorstellbar hierzulande: Pädagogen in Finnland verfügen sogar als Beschäftigte im Kindergarten über einen Hochschulabschluss. Das zeigt, wie wichtig die Ausbildung von Kindern in diesem Land angesehen wird, Lehrer genießen in der Gesellschaft hohes Ansehen.
Da Eltern meist ganztägig arbeiten sind Schulkinder am Nachmittag in Spielzentren untergebracht, die auch in den Ferien geöffnet sind. Jedoch berichten auch in Finnland viele Eltern, dass die Kapazitäten noch nicht ausreichen. Die Leitziele in der familiären und schulischen Erziehung sind, dass jedes Kind nach seinen individuellen Veranlagungen gefördert und gefordert werden soll. Kinder sollen ein positives Selbstbild entwickeln und spielerisch und mit Freude lernen. Außerdem wird darauf Wert gelegt, dass sie lernen Dinge zu reflektieren und verantwortungsvolle Mitglieder für die Gesellschaft werden.

Kindererziehung im Islam: Eine Frage des Respekts

Eltern, die Ihre Erziehung an den Lehren des Korans ausrichten, gestalten die Erziehung in Abhängigkeit vom Alter des Kindes. In den ersten drei Lebensjahren wird Kindern fast alles erlaubt. Vor allem die Mütter kümmern sich liebevoll um die Kinder und genießen dabei höchste Achtung in der Gesellschaft. Berufstätige Frauen mit Kleinkindern gibt es kaum, da Mütter mehr Anerkennung für die Versorgung der Kinder bekommen als Väter, die „nur“ Geld verdienen. Ab dem dritten Lebensjahr ändert sich der permissive Erziehungsstil. Kinder dürfen zwar ungehindert ihrem Spieltrieb nachgehen, werden jedoch mehr und mehr dazu angehalten Aufgaben zu übernehmen und vor allem der Gehorsam gegenüber Eltern und älteren Geschwistern wird stark kontrolliert. Ab der Pubertät wird eine streng unterweisende Erziehung verfolgt, die mit klaren Konsequenzen vorgeht, wenn Kinder ungehorsam sind und/oder respektlos gegenüber Älteren auftreten.
Generell gilt die Leitlinie, dass Eltern ihre Kinder fördern und anleiten sollen, denn Vernachlässigung führt nach islamischer Auffassung zu schneller Verführung durch die Verlockungen der Welt. Die Eltern versuchen richtige Verhaltensweisen durch Gewöhnung, Belehrung und Führung zu erreichen. Wichtigstes Ziel ist dabei Achtung und Gehorsam sowie Dankbarkeit und Ehrfurcht gegenüber Eltern, älteren Geschwistern und Erwachsenen generell.

Kindererziehung als wechselseitiges Lernen in Deutschland: Erziehung als Verhandlung?

In der Kindererziehung in Deutschland steht der Individualismus im Mittelpunkt, der durch soziale Kompetenz ergänzt werden soll. Eltern in Deutschland ist es wichtig, dass ihre Kinder sich selbst entfalten können und zum selbstständigen Handeln animiert werden. Sie sollen lernen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, Dinge kritisch zu beleuchten und mit Selbstvertrauen in Konflikte gehen zu können.
Die Eltern haben ein Selbstverständnis als Unterstützende und Anleiter, die das Kind nicht dominant in die gewünschte Richtung führen, sondern Regeln auch diskutieren und nachvollziehbar für Kinder handeln. Selbstverständlich ist dies nur die Beschreibung einer Tendenz deutscher Erziehung, individuelle Unterschiede gibt es immer. Es gilt nämlich auch hier, dass jeder selbst entscheidet, wie er seine Kinder erzieht, ganz gemäß unserer Leitlinie der Eigenverantwortung. In einigen anderen Ländern wird deutlich mehr durch gesellschaftliche Konventionen und/oder das staatliche System vorgegeben. In Nordkorea werden zum Beispiel Babys mit 2-3 Monaten bereits in staatlichen Krippen betreut, Ausnahmen gibt es dabei nicht und die Erziehung wird streng an den Lehren des diktatorischen Staates ausgelegt.

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