Franz Werfel - Literarische Werke

Werfel

Franz Werfel - Biografie

Franz Viktor Werfel (geboren 1890 in Prag, gestorben 1945 in Santa Barbara/Los Angeles USA) war ein bedeutender deutschsprachiger Literat jüdischen Glaubens. Hervorzuheben ist, daß er nicht nur als Romancier sehr kompetent und weltberühmt war, sondern auch als Lyriker. Darüber hinaus hat er Theaterstücke erstellt und bearbeitet und Opern-Libretti übersetzt und transformiert. Er ist ein Universal-Literat mit starker Affinität zur Musik, insbesondere der Opern-Musik gewesen. Er war liiert und verheiratet mit der Witwe von Gustav Mahler, Alma Mahler, der späteren Alma Mahler-Werfel. Während des Nationalsozialismus musste er als Jude zusammen mit seiner Frau auf vielen und beschwerlichen Umwegen in die USA emigrieren. Dabei war eine Station auch Lourdes/Frankreich.

Dieser außergewöhnliche Mensch und Künstler zeigt noch eine weitere, seltene Besonderheit auf. Als Jude wurde er geboren und erzogen, allerdings nicht strenggläubig, eher liberal, und mit starkem christlichen (römisch-katholischen) Einfluß, z.B. durch die Haushälterin, Kinderfrau, Schule, Mitschüler, Freunde. Später konnte man ihn fast als Christ mosaischen Glaubens oder als “Formal-Juden” bezeichnen, zumal Alma Mahler Christin war. Er ist nie zum christlichen Glauben konvertiert und blieb seiner Religion treu. In vielen seiner Romanen und Novellen spielt der katholische Glauben eine sehr große Rolle. Darin war er auch sehr kompetent und „tiefsitzend“, vielleicht gerade weil er „von außen kommend“ tief hinein blicken konnte.

 

1.“Die vierzig Tage des Musa Dagh”


Thema dieses Romans ist der Genozid des spätosmanischen, jungtürkischen Reiches an den Armeniern in Südwest-Anatolien/Syrien 1915. Das osmanische Reich war damals mit dem deutschen Kaiserreich alliiert. Dieser Roman ist also gegenwärtig politisch sehr aktuell. Die armenische Bevölkerung rund um den Berg Musa Dagh fliehen, angeführt durch einige mutige und charismatische Persönlichkeiten, in großer Zahl auf den schwer einnehmbaren, zur Mittelmeerküste hin abfallenden Berg. Dort richten sie sich auf ein primitives Überleben ein und erleben Not, Aggression, Hunger, Gewalt, Depression, Entbehrungen, Tod; sie kämpfen ums Überleben. Der größere Teil dieser armenischen Flüchtlinge konnte dem Tod entgehen. Sie werden von einem französischen Kriegsschiff gerettet. Das Thema ist authentisch. Das Buch ist absolut fesselnd, spannend, lehrreich; man legt es nicht mehr weg nachdem man begonnen hat zu lesen. [meine Quelle: Fackelverlag, Olten, 1969]

2.“Barbara oder die Frömmigkeit”



Dieser Roman schildert die katastrophale Situation und Stimmung der Bevölkerung in den beiden durch den ersten Weltkrieg zugrunde gegangenen Kaiserreichen k.u.k. Österreich-Ungarn und Deutsches Reich in der Zeit zwischen 1918 und 1921, insbesondere die Lage in Österreich und Wien. Durch den ersten Weltkrieg stürzten nicht nur diese beiden europäischen Großmächte ins Nichts, es pflügte die „spanische Grippe“ mehr Todesopfer in die Erde als der Krieg Menschenleben forderte, gigantische Reparationsforderungen der Siegermächte ließen kaum Erholungsprozesse zu und ein politischer Restaurationsprozess kam nur schleppend und mühselig zustande. Bis sich die Gesellschaft und das Leben in den zwanziger Jahren wieder erholt hat und sogar mit den „roaring twenties“ sich absolute Lebenslust in Musik, Tanz, Erotik, Kunst, Kino einstellte, mussten die Jahre direkt nach Ende des ersten Weltkrieges als „Tal der Tränen und der Trauer“ durchlaufen werden. [meine Quelle: Paul Zsolnay Verlag, Berlin, 1929]

3.“Der veruntreute Himmel”



Untertitel: Geschichte einer Magd. Ein brillianter Roman, der die Lebensgeschichte einer sehr katholischen Magd und Haushälterin erzählt, deren Lebensinhalt darin besteht, ihren einzigen, männlichen Verwandten zu veranlassen und finanziell zu unterstützen Priester zu werden. Dieser gaukelt aus der Ferne ein Priesterstudium vor und verwendet die vom Munde abgesparten Geldbeträge seiner Tante für andere, „freudigere“ Aktivitäten. Er ist kein Priester geworden, wie ein späterer Besuch bei ihm in Prag ergab. Enttäuscht und frustriert lernt sie „auf die alten Tage“ einen wirklichen Priester kennen und unternimmt eine Wallfahrt nach Rom. Dieser Roman zeigt messerscharf die tiefe katholische Religiosität des Juden Franz Werfel; welcher Christ könnte so belletristisch und durchaus kritisch über das Judentum schreiben? [meine Quelle: Bertelsmann Lesering, Gütersloh, 1959]

4.“Verdi – Roman der Oper”
Vorsicht! Das ist keine Verdi-Biographie! Als solche empfehle ich die m.E. beste: Karl Holl, Verdi. Um diesen Roman zu verstehen muß man über das Leben und Werk Guiseppe Verdis einiges wissen, zudem auch mit Richard Wagner bewandert sein. Der Roman schildert das fiktive – nie zustande gekommene – Treffen der beiden Maestri in Venedig in den 1880er Jahren vor Richard Wagners Tod dort (Verdi ist 1901 gestorben). Verdi befand sich am Ende seiner umfangreichen Schaffensperiode (Wagner auch) und als „erfahrener, alter Weiser“ reflektiert er sein eigenes Leben und Werk kritisch, zweifelnd und in Verbindung mit den Werken Richard Wagners ambivalent. Dieser Roman der Oper ist selbst eine Oper, d.h. das Libretto und die „Musik“ dazu. Opern-Musikliebhabern ertönen viele Verdi-Opern beim Lesen aus den Seiten dieses Buchs. [meine Quelle: Deutsche Buchgemeinschaft, Berlin, 1964]

5.“Das Lied von Bernadette”
Bei Werfels Emigration in die USA war eine Station auch der katholische Wallfahrtsort Lourdes in Frankreich. Dort hat man das Paar Werfel freundlich und unterstützend aufgenommen. Als Dank dafür hat er Lourdes versprochen, sollte er gerettet werden und in den USA ankommen einen Roman über Lourdes zu schreiben. Dieser Roman schildert das Leben und die (Marien-)Erscheinungen der Bernadette Soubirou im 19. Jahrhundert. Diese Bernadette, später Nonne, wurde aufgrund ihrer wunderheilenden Erscheinungen nach ihrem frühen Tod heilig gesprochen. Wie schon im „ veruntreuten Himmel“ ein so tiefes katholisch religiöses Thema spannend, lebendig und bildreich aus jüdischer Hand erarbeitet. Durchaus ein großer Lesegenuß auch für Nicht-Katholiken. [meine Quelle: Bertelsmann Lesering, Gütersloh, 1955]

6.“Die Geschwister von Neapel”
Eine Familiengeschichte des alleinerziehenden, älteren Don Domenico Pascarella mit seinen sechs Kindern, drei Mädchen, drei Jungen. Es ist mehr als eine Geschichte, ein Epos, aber entgegen den Buddenbrooks beschränkt auf eine Familiengeneration. Feinfühlig und facettenreich werden neapolitanische Verhältnisse, Erziehungsideale und –fatale, Kinderliebe, Vaterverehrung, Spannungen, Animositäten und Aufbegehrungen unterschiedlichster Art zwischen Don Domenico und seinen „ragazzi“ herausgearbeitet. Ein gewisses Scheitern seiner doktrinären Erziehung wird ihm bewusst, bleibt aber letztendlich ohne grundsätzliche Änderung, da sie so schlecht nicht gewesen ist und seine Kinder nicht wüssten, welche Alternative zu Gebote hätte stehen können. [meine Quelle: Deutsche Buchgemeinschaft, Berlin, 1961]

7.“Der Abituriententag”

8.“Cella oder die Überwinder”

9.“Die Troerinnen des Euripides”
„Ich seh den Wahnsinn nur der Götter walten,
Der Knechte mächtig macht und Edle stürzt.“
(Hekuba, fünfter Auftritt)
„… Ah! Nichts auf Erden ist mir so verhasst,
Als die Vernunft, von scheeler Furcht geschändet,
Und ein Gewissen, umgestürzt von Angst!“
(Hekuba, zehnter Auftritt)
[meine Quelle: Kurt Wolff Verlag, Leipzig, 1916

10.„Jacobowsky und der Oberst“
Komödie einer Tragödie in drei Akten
Diese Komödie wurde von Giselher Klebe mit dem Titel: „Jacobowsky und der Oberst“ als Oper verarbeitet.

11.„Das Reich Gottes in Böhmen“
Die Tragödie eines Führers

12.„Juarez und Maximilian“
Dramatische Historie

13.„Paulus unter den Juden“
Dramatische Legende

14.„Stern der Ungeborenen“

Novellen/Erzählungen:
15.„Die Entfremdung“
16.„Geheimnis eines Menschen“
17.„Die Hoteltreppe“
18.„Das Trauerhaus“
19.„Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig“
20.„Der Tod des Kleinbürgers“
21.„Kleine Verhältnisse“
22.„Die wahre Geschichte vom wiederhergestellten Kreuz“
23.„Die arge Legende vom gerissenen Galgenstrick“
24.„Eine blassblaue Frauenhandschrift“

Reden:
- „Realismus und Innerlichkeit“, Rede, gehalten am 6. Mai 1931 im Kulturbund, Wien, Paul Zsolnay Verlag, Berlin 1931

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